14 Autositze im Test

26.05.2011

Ein idealer Sitz muss gut einstellbar sein

„Ein guter Autositz definiert sich nicht durch weiche Polster und behagliche Stoffe. Viel wichtiger sind zahlreiche individuelle Einstellmöglichkeiten. Zudem muss der Sitzdruck optimal verteilt werden, und der Körper darf nicht verrutschen“, erklärt Stingel. Zusammen mit dem Experten von der AGR hat die Redaktion die Fahrersitze von 14 Modellen quer durch alle Klassen getestet. Damit Sie bei Ihrem nächsten Auto die Qualität der Sitze selbst bewerten können, finden Sie die wichtigsten Kriterien im Schaubild oben.

DARAUF MÜSSEN SIE BEIM KAUF ACHTEN:

  • Die Seitenführungen auf dem Sitzkissen und an der Lehne fixieren den Fahrer auf dem Sitz, sollten den Körper aber nicht einengen.
  • Mit einer Sitzflächenverlängerung lässt sich der Sitz an die Länge der Oberschenkel anpassen und der Sitzdruck verteilen.
  • Die Sitzfläche muss in Höhe und Neigung separat einstellbar sein. Je höher der Sitz, desto besser die Übersicht im Verkehr.
  • Eine elektrische Einstellung erleichtert die Bedienung. Zudem ist die mechanische Einstellung oft schwer zu erreichen.
  • Die Kopfstütze muss in Höhe und Neigung einstellbar sein. Bei einem Heckaufprall verringert sie die Belastung des Kopfes.
  • Von der Seite betrachtet sollte die Rückenlehne eine leichte S-Form bilden. Zudem darf sie die Schultern nicht überragen.
  • Durch die so genannte Lordosenstütze wird der Lendenwirbel im Bereich des Hohlkreuzes abgestützt. Sie muss in vier Richtungen einstellbar sein.

Im Test zeigen sich die Sitze von zwei Seiten: Während es bei den Kopfstützen, der Lehne sowie der Höhen- und Neigungseinstellung nur wenig zu kritisieren gibt, fehlt bei den meisten Modellen die Sitzflächenverlängerung. Selbst in einigen Fahrzeugen der Oberklasse ist sie nicht serienmäßig. „Dabei hilft die ausfahrbare Sitzfläche besonders Fahrern mit längeren Beinen“, so Stingel. „Je mehr der Oberschenkel abgestützt wird, desto besser verteilt sich der Sitzdruck.“ Vor allem auf langen Strecken führt das zu einer spürbaren Entlastung. Auch die Gestaltung der meisten Lordosenstützen ärgert den Fachmann: „Zwar bauen viele Hersteller diese Lendenwirbelstützen ein, doch die Einstellung ist oft nur nach vorn und hinten möglich. Damit wird die Wirkung aber auf ein Minimum reduziert.“

Nicht nur die Hersteller, auch die Käufer haben die Autositze in den letzten Jahren wenig beachtet. „Der Kunde muss vom Händler erst zum Kauf eines besseren Sitzes überredet werden“, sagt Stingel. „Doch den Verkäufern fehlt hier bei der Beratung oft die Kompetenz, daher bieten sie lieber selbsterklärende Leichtmetallfelgen an.“
Eine neuentwicklung für 50 millionen Euro Bei den Herstellern hat dagegen ein Umdenken begonnen. So erfüllt der Fahrersitz des neuen Opel Insignia alle Kriterien der Mediziner und hat dafür das Gütesiegel der AGR erhalten. Diese Auszeichnung tragen auch die aufpreispflichtigen Multikontursitze von Mercedes. Im Insignia kostet der Sitz 350 Euro Aufpreis, nur in der Sport-Ausstattung ist er ohne Zuzahlung zu haben.

Die Preise sind kein Wunder, die Entwicklung der komplexen Bestuhlung ist teuer. „Bis der Insignia-Sitz fertig war, haben wir rund 50 Millionen Euro investiert“, sagt Andrew Leuchtmann, der bei General Motors für die Sitzentwicklung zuständig ist. Neben den Kosten müssen die Ingenieure noch weitere Anforderungen im Blick behalten. „Die Konstruktion muss extrem formstabil sein und darf nicht zu viel wiegen“ – jedes Kilogramm heißt mehr Spritverbrauch. Doch die Bemühungen der Entwickler zahlen sich aus. Denn was nützt das beste Auto, wenn man immer mit Rückenschmerzen aussteigt?

FAZIT
Markus Bach | Wer sich in ein Auto setzt, ohne den Sitz anzupassen, gefährdet seinen Rücken. Dabei ist es nicht schwer, die richtige Einstellung zu finden.

Unser Test zeigt aber, dass von Seiten der Hersteller noch Verbesserungsbedarf besteht. Achten Sie daher beim nächsten Auto auf einen ergonomischen Sitz.

Lassen Sie sich nicht durch Leder und Co. täuschen: Einen guten Sitz erkennen Sie an den zahlreichen Einstellmöglichkeiten.

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