Alle Infos zum VW Bus

30 Jahre VW California: Jubliäum 2018 Hotel California

von Johannes Riegsinger 20.09.2018

Der VW California ist nicht, was er ist, sondern was man aus ihm macht: Kultobjekt, Freiheitskämpfer, Sehnsuchts- Projektor – und das seit 30 Jahren!

Neulich beim Nachbarn, der seinen VW California (T4) im Zustand "Kernschrott" (mehr rusty als trusty) für einen neuen Zweitwagen in Zahlung geben möchte: "Denkst du, für die Karre kriege ich noch ein paar Euro?" Kurzer Blick auf die übel verbrauchte Substanz: "Vielleicht übernimmt der Händler ja die Entsorgungskosten?" Eine knappe Woche später steht der Mann strahlend am Gartenzaun: "Da kam so ein Großstadt- Hipster-Typ, der hat mir 8000 Euro gegeben. Einfach so." Gebrauchtpreise für den VW California sind überhitzter als der Mietwohnungsmarkt in München- Schwabing. "Technisch und substanziell ist das nicht haltbar", gesteht der schlagartig sanierte Ex-T4-Nachbar und mutmaßt dann: "Es liegt an einer Ballung von Legendenbildern. Erstens: VW, die bodenständige Bürgermarke vor der Dieselskandal-Hybris. Zweitens: das Groß-Werden als Generation Golf. Drittens: der Traum von Freiheit in der Westentasche. Viertens: Aussteiger-Romantik. Fünftens: Die Idee, nicht nur ein Auto zu besitzen, sondern zwei, drei in einem – Transporter, Familienkutsche, Camper. Und sowieso: Bei California, da denkst du gleich an Surfer und Sonne." Interessante Theorie, denke ich, müsste man mal vor Ort abklopfen. Der Gute wird die Tage eh 30 Jahre alt, und da könnte man doch von Los Angeles nach San Francisco den Highway 1 hochcruisen. Das ist aber nicht ganz so einfach, denn den VW California gibt es in California überhaupt nicht. Mehr zum Thema: Das ist der neue VW Grand California

 

30 Jahre VW California: T3 bis T6

Aber die ganze Geschichte des VW California ­fängt in Kalifornien an, sie ist ein klein wenig delikat und geht so: Westfalia, der Reisemobil-Spezialist aus Rheda-Wiedenbrück (klingt beinahe wie Santa Monica …), baut den VW Bus bereits in den 50ern zum Mini-Wohnmobil um. Der sogenannte Westfalia Joker wird als Vanagon Camper auch in den USA verkauft und profitiert dort vom Hippie-Rückenwind des Bulli. 1988 findet VW die Vanagon-Camper-Idee so gut, dass sie kurzerhand geentert wird: Ab sofort gibt es den T3 California in Europa ab Werk – und ab dem T4 den Bus in den USA, der dort lustigerweise Eurovan heißt, offiziell überhaupt nicht mehr. Dafür startet der California in Deutschland und Europa richtig durch. Spätestens mit dem T5 scha­fft er es ins Oberhaus der automobilen Hierarchien, heute ist er eine Wertanlage. California-Käufer legen für einen Neuen mindestens 45.000 Euro hin. Theoretisch. Praktisch gibt es dafür nur die ausgeräumte Beach-Version ohne Extras wie Küche und sonstiges Camper-Flair. Was die Kunden wirklich kaufen, geht im Regelfall bei fast 60.000 Euro los und scha­fft problemlos die 80.000-Euro-Marke. Ein Phänomen. Also: auf zum Realitätsabgleich mit dem California. In Los Angeles raus aus dem Flugzeug und schon am Parkplatz gehen mir die Augen über: Nostalgie-18-Zöller im Chrom-Look, ein roter Zelt-Balg am Aufstelldach, sauber gemachte Einbauten klapperfrei und superpraktisch – das sieht verdammt gut aus. Und ­fährt auch prima: Beinahe Pkw-like geht’s runter ans Meer, auf die hohe Kutschbock-Sitzposition im Bus stehen die Fans ja eh, weil die so schön chefig ist. Der Zweiliter-Turbobenziner mit Doppelkupplungsgetriebe macht sich im VW California verblüffend gut, ist spritzig, hat Dampf. Es muss nicht immer Diesel sein.

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Mit dem VW California durch Kalifornien

Auf dem Pacific Coast Highway nach Norden ist wie immer die Hölle los, bis hinter Malibu rollen drei Spuren im Stop-and-go, das gibt den Leuten ringsum genug Zeit, den "Folkswagen" VW California abzufeiern: Handykameras werden gezückt und Fenster runtergekurbelt. "Hey Buddy, was ist das? Sieht gut aus! Kann man den kaufen?" Und wie dann auf einem Strand-Parkplatz vor Santa Barbara das Aufstelldach hochgeht, während Möwen kreischen und der Pazifik in der Abendsonne meterhohe Gischt-Brecher an den Strand hämmert, staunt die anwesende Camper-Kommune ergri­ffen. Für die folgenden Besichtigungstouren könnte ich bald Eintritt verlangen. Es zeigt sich nämlich: Auch Amis stehen auf coole Sachlichkeit. Im Vergleich mit den riesigen Klapper-Campern aus US-amerikanischer Produktion wirkt der VW California aber auch wie ein Wesen aus dem Jahr, na ja, 2018 eben. Samtig schnurrende Rollos, eine flutschend zur Liege umgelegte Fondsitzbank, das elektrisch betätigte Aufstelldach, supersmart in die Heckklappe integrierte Camping-Stühle, die Tischplatte geht klippediklapp auch nach draußen – so schaf­fe ich es garantiert stilvoll bis San Francisco, während sich ringsum die Einheimischen zwischen geblümten Raf­f-Vorhängen, Eiche-rustikal-Einbauten, 55-Zoll-Flatscreens und XXL-Kunstledersofas in den Schlaf weinen. Zurück Zuhause dann das Resümee ohne rosarote Urlaubs-Sonnenbrille: Echte Camper (Ducato, Sprinter und andere) gibt es schon ab 40.000 Euro – mit Toilette und Dusche. Bereits so gesehen ist der California also ho­ffnungslos überteuert. Wenn es unbedingt die Alltagsauto/Camper-All-in-One-Idee sein soll, wäre ein Pössl Campster oder Kompanja-Trafic deutlich preisgünstiger und trotzdem sensationell gut gemacht. Aber dann überlegst du vermutlich, was du wirklich möchtest, denkst "das Original" – und sparst weiter. Das muss man nicht verstehen. Happy Birthday, VW California!

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