Alfa Stelvio/BMW X3/Porsche Macan/Volvo XC60: Test Macan Facelift gegen Stelvio, X3 und XC60

von Elmar Siepen 10.05.2019
Inhalt
  1. Alfa Romeo Stelvio, BMW X3, Porsche Macan Facelift und Volvo XC60 im Test
  2. Bester Komfort auf Autobahnen bei BMW X3 und Porsche Macan Facelift
  3. BMW-X3-Motor überzeugt mit niedrigstem Verbrauch
  4. Porsche Macan Facelift in Sachen Fahrdynamik an der Spitze
  5. BMW X3 gewinnt auch das Kostenkapitel
  6. Messwerte & technische Daten Alfa Stelvio, BMW X3, Porsche Macan Facelift und Volvo XC60

Entspannt auf Tour gehen mit einem Premium-SUV? Da lässt sich das Porsche Macan Facelift nicht lange bitten. Doch taugt der Familiensportler auch zum Reiseführer? Die Antwort gibt es von unterwegs im Vergleich mit Alfa Romeo Stelvio, BMW X3 und Volvo XC60.

Gesamtbewertung (max. Punkte)Alfa Romeo StelvioBMW X3Porsche MacanVolvo XC60
Karosserie (1000)686725676696
Fahrkomfort (1000)721799782762
Motor/Getriebe (1000)608626594588
Fahrdynamik (1000)700704795688
Eigenschaftswertung (4000)2715285428472734
Kosten/Umwelt (1000)295302266299
Gesamtwertung (5000)3010315631133033
Platzierung4123

Mit über 86.000 Exemplaren war der Porsche Macan 2018 wieder das meistverkaufte Fahrzeug der Zuffenhausener Sportwagenmarke. Deshalb durfte sich die Modellpflege – auf Neudeutsch "Facelift" – für den Start in die zweite Lebenshälfte denn auch im Rahmen halten. Zwei neue Motoren, die wir von Audi kennen, ein paar optische Retuschen hier, mehr Connectivity dort – das war's auch schon. Die Basisversion mit 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbo leistet nun wegen des Partikelfilters 245 statt zuvor 252 PS, erfüllt dafür aber die strenge Euro 6d-Temp-Abgasnorm. Zu diesem Anlass startet das Porsche Macan Facelift zum Test gegen ebenso bodenständige wie exotische Konkurrenten wie den Alfa Romeo Stelvio, den BMW X3 und den Volvo XC60. So schicken die Italiener ihr erstes SUV ins Rennen, das im Straßenbild derzeit noch eher selten anzutreffen ist. BMW hält mit dem populären X3 dagegen, während aus Skandinavien der Volvo XC60 zeigt, was man im Norden unter einem Mittelklasse-SUV für gehobene Ansprüche versteht. Mehr zum Thema: M-Power für das Mittelklasse-SUV

Sonstiges Alfa Romeo Stelvio 2.0 Turbo Q4/Porsche Macan/BMW X3 xDrive30i/Volvo XC60 T5 AWD: Test
Alfa Stelvio/BMW X3/Porsche Macan/Volvo XC60: Connectivity Connectivity-Test bei Stelvio, X3, Macan & XC60

 

Alfa Romeo Stelvio, BMW X3, Porsche Macan Facelift und Volvo XC60 im Test

Was die Optik angeht, überzeugt der Alfa Romeo Stelvio beim Test mit einer sehr gelungenen Linienführung. Auch im Innenraum gefällt der Italiener nicht nur mit Stil, sondern zudem mit einem großzügigen Raumangebot. Das Porsche Macan Facelift, der auf dem Audi Q5 der ersten Generation basiert, ist hier deutlich knapper geschnitten. Die wuchtige Mittelkonsole vermittelt zwar Flugzeug-Cockpit-Atmosphäre, sorgt aber dafür, dass sich die Vornsitzenden eher wie in einem Kokon fühlen. Im Fond offeriert der Alfa Romeo ähnlich viel Platz wie der Volvo XC60. Seine coupéhafte Linienführung geht aber – ebenso wie die des Porsche – zu Lasten der Übersichtlichkeit nach hinten. Der BMW X3 zeigt, wie es besser geht. Ein neuer Touchscreen im Porsche erleichtert die Bedienung des Familiensportlers, verursacht im Alltag aber mehr Ablenkung als der intuitiv bedienbare iDrive-Controller des BMW X3. Im Volvo XC60, dem einzigen Kandidaten mit Bildschirm im Hochkantformat, muss reichlich "gewischt" werden, um in diverse Untermenüs zu gelangen. Auch der Alfa Romeo Stelvio erfordert bei der Bedienung Kompromissbereitschaft: Das Navi rechnet zu langsam, und die fehlende Blinkerrückstellung sowie die ungewohnte Heckwischer-Bedienung (Hebel nach unten) erschließen sich nicht jedem auf Anhieb. Die Kofferraumvolumina des SUV-Quartetts liegen auf dem  Niveau bewährter Kompaktkombis und sind damit stets reisetauglich. In der Zuladung schießt der Macan-Testwagen mit großzügigen 621 Kilogramm  den Vogel ab, während der XC60 mit 485 Kilogramm am wenigsten schultern darf – und infolge des kleinsten Maximalvolumens (1432 Liter) auch kann. Immerhin verwöhnt der Schwede mit der punkteträchtigsten Sicherheitsausstattung im Test, unter anderem mit serienmäßiger Verkehrszeichenerkennung und Tempolimitassistenten. Hier kann der Porsche nicht mithalten. Er wirft dafür die beste Verarbeitungsqualität in die Waagschale. Erfreulich: Der Alfa-Testwagen erweist sich als frei von Qualitätsschludrigkeiten früherer Modelle der italienischen Marke.

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Neuer BMW X3 (2017): Erste Testfahrt BMW X3 will auf SUV-Thron klettern

 

Bester Komfort auf Autobahnen bei BMW X3 und Porsche Macan Facelift

Auf Reisen kommt den SUV so manch schlechter Fahrbahnbelag unter die Räder. Doch unsere Kandidaten sind für den Test dank optionaler adaptiver Dämpfer dagegen bestens gewappnet. Porsche und Volvo spendieren ihren Testwagen zusätzlich noch aufpreispflichtige Luftfederungen. So gerüstet sollten auch Straßen dritter Ordnung kein Problem sein. Dennoch zeigen sich im Test zum Teil deutliche Unterschiede. So reagieren der Alfa Romeo Stelvio und der Volvo XC60 mit durchaus sensiblem Ansprechverhalten auf mäßige Asphaltqualitäten. Straßenoberflächen, die einem Flickenteppich gleichen, verursachen aber mehr (Alfa) oder weniger stark (Volvo) ausgeprägtes Karosseriezittern. Auf der Waschbrett-ähnlichen Betonpiste des Testgeländes mit kurzen Bodenwellen wirkt der Stelvio bei voller Zuladung nicht nur poltrig, sondern schlägt bei höherem Tempo sogar durch. Hier wahrt der XC60 länger die Contenance und verbessert sein Feder-Dämpfer-Verhalten sogar ein wenig. Dennoch reicht er im Ergebnis nicht an die deutsche Konkurrenz heran. Auf Autobahnen wirken BMW X3 und Porsche Macan Facelift deutlich geschmeidiger, und selbst auf den Rüttelpisten geben sie sich insgesamt ausgewogener, kommen aber unter Ausnutzung der vollen Nutzlast ebenfalls an ihre Grenzen. Der Stelvio verwöhnt seine Insassen zwar mit einem wohlkomponierten kernigem Motorklang. Bei hohem Tempo produzieren seine 20-Zöller jedoch laute Abrollgeräusche. Das gilt in abgeschwächter Form auch für die 19-Zoll-Räder des Volvo. Wie man mit ausgeklügelter Aerodynamik und guter Geräuschdämmung für Ruhe sorgen kann, zeigen abermals BMW und Porsche auf beeindruckende Weise. Besonders rückenschonend sind Volvo-Fahrer mit dem Sitzkomfortpaket des Testwagens (4150 Euro) unterwegs. Das Gestühl des Schweden ist vielfältig einstellbar und hält so die passende Sitzposition für die unterschiedlichsten Anatomien bereit. Noch eine Spur besser gelingt dies den adaptiven Sportsitzen des Macan (1785 Euro) die die beste Torso-Abstützung bieten. Die Alfa-Sitze haben dagegen eine zu kurz Oberschenkelauflage.

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BMW-X3-Motor überzeugt mit niedrigstem Verbrauch

Wessen Stirn sich beim Blick auf die teils üppigen Abmessungen und Gewichte angesichts der 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbos in Falten legt, der kann beruhigt sein. Einerseits generiert das Quartett nämlich sehr ordentliche Fahrleistungen, andererseits bleibt der Kraftstoffverbrauch bei normalem Alltagsbetrieb in vertretbarem Rahmen. Samt und sonders mit Benzinpartikelfilter ausgerüstet, zeigen sich alle Kandidaten in Sachen Abgasreinigungstechnik auf der Höhe der Zeit. Hinzu kommt, dass die vier mit einer für die Zylinderzahl beachtlichen Laufruhe aufwarten. Die Unterschiede sind hier eher marginaler Natur. Mit 280 PS ist das wohlklingende Alfa-Aggregat nicht nur das kräftigste. Es sorgt auch dafür, dass der Alfa Romeo Stelvio im Test am schnellsten (5,5 Sekunden) auf 100 km/h sprintet. Mit 240 km/h setzt der 252 PS starke BMW X3 die Bestmarke bei der Höchstgeschwindigkeit. Obwohl mit 250 PS ähnlich stark, bildet der Volvo XC60 bei den Fahrleistungen das Schlusslicht, liefert aber zusammen mit dem BMW den niedrigsten Testverbrauch von je 10,4 Liter auf 100 km. Schnell genug im Alltag sind die Kandidaten allemal. Wer jedoch hohe Reiseschnitte bevorzugt, zahlt an der Tankstelle teils kräftige Expresszuschläge. Auffällig: Das Porsche Macan Facelift – mit 245 PS übrigens der schwächste Testteilnehmer– wirkt zwar drehfreudiger als die Konkurrenten, für die Spitze von 225 km/h benötigt er aber reichlich Anlauf. Doch das geht sicher auch auf das Konto des mit 1889 Kilogramm zweithöchsten Leergewichts im Feld ebenso wie der Testverbrauch von 10,9 Litern. Im Bezug auf die Kraftübertragung überzeugt besonders dieachtstufige ZF-Automatik im X3 mit blitzschnellen, weichen und punktgenau erfolgenden Wechseln in die passende Übersetzung. Die Fahrstufenwechsel im Alfa werden dagegen bei geringer Last teilweise von spürbaren Rucken begleitet.

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Porsche Macan Facelift in Sachen Fahrdynamik an der Spitze

Auf dem Rundkurs bleibt das Porsche Macan Facelift dank Luftfederung mit Niveauregulierung frei von lästigen Aufbaubewegungen und zeigt der Konkurrenz im Test mit seiner feinfühligen Lenkung und dem aktiven Hinterachsdifferenzial, wo der Hammer hängt. Mit seinem punktgenauen Einlenken und ohne lästige Untersteuertendenzen zieht der Zuffenhausener neutral seine Bahn und lässt sich in Kurven nahezu federleicht umsetzen. Beim Herausbeschleunigen aus Kurven stützt er sich gefühlt auf das kurvenäußere Hinterrad, nimmt den Rivalen bis zu 6,6 Sekunden pro Runde ab und verteidigt hier die Globale Markenehre ebenso wie mit den kürzesten Bremswegen. Sehr gute fahrdynamische Anlagen bringen auch der Alfa Romeo Stelvio und der BMW X3 mit. Allerdings zeigt der X3 an der Haftgrenze ein leichtes Untersteuern und produziert in Wechselkurven kleine Wankbewegungen. Der Stelvio lässt sich fast so handlich dirigieren wie der Porsche, leidet aber im dinamico-Modus unter einer zu harten Dämpfung. Sein ESC (ESP) regelt zudem nicht nur zu ruppig, sondern auch zu lange und nimmt dem feurigen Italiener so viel von seinem dynamischen Potenzial. Auch der Lenkung stünde etwas mehr Fahrbahnkontakt gut zu Gesicht. In skandinavischer Gelassenheit übt sich hier der Volvo XC60. Kurven erfordern große Lenkeinschläge, ohne eine entsprechende Rückmeldung zu bekommen. Stattdessen sind reichlich Wankbewegungen im Spiel. Wer vom Gas geht, merkt, wie das Heck spürbar, aber nicht zu hektisch eindreht. So bleibt dem Fahrer hinreichend Reaktionszeit.

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Volvo XC60 (2017): Preis & Crashtest Weitere Ausstattungen für den XC60

 

BMW X3 gewinnt auch das Kostenkapitel

Mit testrelevanten Extras kostet der Alfa Romeo Stelvio 55.600 Euro und ist somit die günstigste Offerte im Test. Die üppigsten Werkstattkosten in Höhe von 812 Euro pro Jahr und der mit 29.510 Euro üppigste Wertverlust binnen vier Jahren und 80.000 km lassen ihn aber ebenso wie den Volvo XC60 hinter den Kapitelsieger BMW X3 zurückfallen. Dass der Volvo nicht am BMW vorbeiziehen kann, liegt in erster Linie am höheren bewerteten Preis. Dies kann der Schwede auch nicht mit seiner besseren Versicherungseinstufung in der Vollkasko wettmachen. Das Porsche Macan Facelift spielt nicht nur fahrdynamisch in einer anderen Liga, sondern auch in der monetären Disziplin: Mit testrelevanten Extras ist er bis zu 14.028 Euro teurer als die Konkurrenz und büßt er hier ebenso Punkte ein wie bei den Kraftstoffkosten, denn das benötigte Super Plus treibt die Aufwendungen für den Sprit in die Höhe. Die mit Typklasse 28 höchste Vollkasko-Einstufung in diesem Vergleich sorgt ebenfalls dafür, dass der Porsche im Alltag eine gut gefüllte Brieftasche erfordert. Unterm Strich zeigen aber alle vier Kandidaten, dass schöner Reisen in diesem Fall auch recht teures Reisen bedeutet.

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BMW X3 M40i (2017): Preis X3 mit M-Performance-Upgrade

 

Messwerte & technische Daten Alfa Stelvio, BMW X3, Porsche Macan Facelift und Volvo XC60

AUTO ZEITUNG
5/2019
Alfa Romeo
Stelvio
2.0 Turbo Q4
BMW X3
xDrive30i
Porsche
Macan
Volvo XC60 T5 AWD
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4; Turbo4/4; Turbo4/4; Turbo4/4; Turbo
Hubraum1995 cm³1998 cm³1984 cm³1969 cm³
Leistung206 kW/280 PS185 kW/252 PS180 kW/245 PS184 kW/250 PS
Max. Gesamtdrehmoment400 Nm350 Nm370 Nm350 Nm
Getriebe/Antrieb8-Gang,
Automatik/
Allrad
8-Gang,
Automatik/
Allrad
7-Gang,
Doppel-
kupplung/
Allrad
8-Gang,
Automatik/
Allrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1660/1800 kg1715/1853 kg1795/1889 kg1902/1945 kg
Beschleunigung (Test)    
0 - 100 km/h5,5 s6,6 s6,3 s7,4 s
0 - 150 km/h11,8 s14,2 s14,3 s15,8 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)230 km/h240 km/h225 km/h220 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,9/34,5 m36,4/34,8 m34,0/33,1 m35,5/34,2 m
Verbrauch (Test/WLTP)11,0/9,4 l S
/100 km
10,4/9,0 l S
/100 km
10,9/10,2 l S
/100 km
10,4/9,1 l S
/100 km
CO2-Ausstoß (Test/EU)261/214 g/km247/205 g/km258/231 g/km247/207 g/km
Preise
Grundpreis51.500 Euro53.000 Euro58.764 Euro52.300 Euro
Testwagenpreis55.600 Euro56.780 Euro69.628 Euro59.440 Euro

von Elmar Siepen von Elmar Siepen
Unser Fazit

Auch wenn das Porsche Macan Facelift der PS-schwächste Kandidat im Testfeld ist, so liefert er unter anderem dank der besten Bremsanlage eine eindrucksvolle Vorstellung in der Fahrdynamik ab. Am Ende landet er wegen des vergleichsweise knappen Platzangebots und der hohen Kosten auf dem zweiten Platz. Mit dem bestem Komfort und seinem gelungenen Antrieb holt sich der BMW X3 verdient den Gesamtsieg. Und auch in der Umwelt/Kosten-Bilanz liegt er ganz vorn. Der Volvo XC60 punktet als Drittplatzierter mit der umfangreichsten Sicherheitsausstattung und – wie der BMW – dem niedrigsten Verbrauch. Der bewertete Preis fällt allerdings recht hoch aus. Der Alfa Romeo Stelvio landet hier auf dem vierten Platz. Fahrdynamisch besitzt er zwar gute Anlagen, die allerdings von der verbesserungsfähigen ESP-Abstimmung konterkariert werden. Auch etwas Feinschliff am Fahrkomfort brächte ihn weiter nach vorn.

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