Audi A1 40 TFSI/Mini Cooper S 5-Türer: Test Neuer A1 fordert kultigen Mini heraus

von Carsten van Zanten 06.06.2019
Inhalt
  1. Audi A1 40 TFSI und Mini Cooper S im Test
  2. Fahrkomfort: Audi A1 leistet sich Komfort-Schwächen
  3. Motor/Getriebe: Mini Cooper S mit leichtem Vorsprung
  4. Fahrdynamik: Klarer Sieg für den Audi A1 40 TFSI
  5. Umwelt/Kosten: Audi A1 40 TFSI knapp vor Mini Cooper S
  6. Messwerte und Technische Daten Audi A1 Sportback & Mini Cooper S 5-Türer

Rund 200 PS, verpackt in ansprechenden Kleinwagen-Hüllen: Der neue Audi A1 40 TFSI und der kultige Mini Cooper S sollen sich auf der Langstrecke ebenso wohlfühlen wie im Stadtgewusel. Wem gelingt im Test der Spagat besser?

Gesamtbewertung (max. Punkte)Audi A1 Sportback 40 TFSIMini Cooper S 5-Türer
Karosserie (1000)516469
Fahrkomfort (1000)608622
Motor/Getriebe (1000)617624
Fahrdynamik (1000)695664
Eigenschaftswertung (4000)24362379
Kosten/Umwelt (1000)415411
Gesamtwertung (5000)28512790
Platzierung12

Nach immerhin acht Jahren Bauzeit der ersten Generation rollt jetzt die zweite Generation des Audi A1 zu den Händlern. Ausschließlich als fünftüriger Sportback angeboten, soll sie mit markantem Design, verbessertem Raumangebot sowie modernsten Assistenzsystemen vor allem jüngere Autofahrer an sich und damit an die Marke binden. Ob die Zielgruppe auf Anhieb die auf die Rallye-Historie von Audi verweisenden Design-Zitate erkennt – die drei Schlitze unter der Motorhaubenkante sollen beispielsweise an die des Sport quattro von 1984 erinnern –, sei einmal dahingestellt. Gefallen an den 200 PS des aktuellen Topmodells A1 40 TFSI dürfte sie hingegen leicht finden – verspricht die Leistung doch puren Fahrspaß. Diesen schreibt sich seit jeher auch der Mini auf die Fahnen, der nicht zuletzt deshalb in Gestalt des 192 PS starken Cooper S einen guten Gradmesser für die Qualitäten des Neulings aus Ingolstadt in diesem Vergleich abgibt.

Audi A1 Sportback im Video:

 

Audi A1 40 TFSI und Mini Cooper S im Test

Im Test wird deutlich, dass der neue, markant gezeichnete Audi A1 mit seinem Vorgänger rein optisch nicht mehr viel zu tun hat. Aber nicht nur das Design ist erwachsener geworden, der kleine Ingolstädter hat auch an Größe gewonnen. Bei weitgehend unveränderter Breite und Höhe legte der Audi A1 in der Länge um fast sechs Zentimeter auf 4,03 Meter zu. Davon profitieren vor allem die Mitreisenden auf der Rückbank, die sich über ein Maß an Bewegungsfreiheit in alle Richtungen freuen dürfen, von dem die Fondpassagiere im Mini 5-Türer nur träumen können. Nicht ganz so extrem fallen die Unterschiede zwischen beiden Fahrzeugen für Fahrer und Beifahrer aus, doch hat auch hier der Audi deutlich mehr zu bieten. Freude bereitet den A1-Mitfahrern zudem der mit 335 bis maximal 1090 Litern deutlich größere Kofferraum (Mini: 278 bis 941 l). Einen weiteren Vorteil spielt der brandneue Audi A1 gegenüber seinem immerhin bereits rund fünf Jahre alten Kontrahenten in puncto Sicherheitsausstattung aus. Während bei dem Bayern Technologien wie LED-Scheinwerfer mit Kurvenlicht, ein Notbremsassistent samt Personenerkennung und ein Spurhalteassistent bereits serienmäßig an Bord sind, gibt es diese Details für den Briten nur gegen Aufpreis oder gar nicht. Dafür kann der Mini mit seinem Head-up-Display (600 Euro) und dem Matrix-Licht als Bestandteil der adaptiven LED-Scheinwerfer (1250 Euro) zwei Features ins Feld führen, die der Audi nicht bietet.

Neuheiten Audi A1 (2018)
Audi A1 (2018): Motor & Ausstattung Der A1 zeigt sich deutlich geschärft

 

Fahrkomfort: Audi A1 leistet sich Komfort-Schwächen

Beide Kandidaten für den Test treten mit adaptiven Dämpfern an, der Audi A1 40 TFSI serienmäßig, der Mini Cooper S gegen einen Aufpreis von 500 Euro. Hier wie dort gilt allerdings, dass sich das Fahrwerk gezielt auf sportlichen Einsatz einstellen lässt, dafür aber einen expliziten Komfortmodus vermissen lässt. Entsprechend fällt das Federungsverhalten in beiden Fällen aus. Vor allem der Audi mit serienmäßig straffer Abstimmung und 18-Zoll-Rädern (450 Euro) gibt Fahrbahnunebenheiten recht ungefiltert an seine Insassen weiter. Auch beim einen Zoll kleiner bereiften Mini (17 Zoll: 600 Euro) handelt es sich keinesfalls um eine Sänfte, dennoch rollt er deutlich harmonischer ab. Zudem bietet der Engländer den besseren Akustikkomfort. Obendrein sitzt man im Audi A1 wegen der fehlenden Unterstützung des Rückens nicht ganz so gut wie im Mini. Die ebenfalls serienmäßigen Sportsitze des Briten offerieren nämlich unter anderem eine Sitzflächenverlängerung. Allerdings drückt es – je nach Fahrerstatur – mitunter etwas unangenehm im Rücken.

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Mini 5-Türer Facelift (2018): Motor & Ausstattung Mini 5-Türer überarbeitet

 

Motor/Getriebe: Mini Cooper S mit leichtem Vorsprung

Der Test zeigt, dass die beiden Zweiliter-Turbobenziner leistungsmäßig dicht beieinander liegen. Mit nominell 200 PS und 320 Nm Drehmoment hat der Audi A1 40 TFSI nur leicht die Nase vor dem Mini Cooper S (192 PS, mit Overboost: 300 Nm). In der Folge liegen auch die Fahrleistungen auf nahezu identischem Niveau. Die Höchstgeschwindigkeit wird für beide mit 235 km/h angegeben. Der Audi beschleunigt mit 6,2 Sekunden eine Zehntelsekunde schneller auf 100 km/h, der Mini genehmigt sich dafür mit 8,3 Litern auf der AUTO ZEITUNG-Verbrauchsrunde einen Zehntelliter Super pro 100 km weniger. In ihrem Charakter unterscheiden sich die zwei Antriebe hingegen deutlich. So geht der Vierzylinder des Audi A1 akustisch präsenter zu Werke. Auch schaltet das optionale Sport-Doppelkupplungsgetriebe (1950 Euro) des Mini Cooper S sanfter und schneller durch seine sieben Gänge als die serienmäßige Sechsgang-S tronic des Audi.

Fahrbericht Audi A1 (2018)
Neuer Audi A1 (2018): Erste Testfahrt So fährt sich der neue A1

 

Fahrdynamik: Klarer Sieg für den Audi A1 40 TFSI

Die raueren Umgangsformen des Audi A1 40 TFSI sind bei dynamischerer Gangart aber schnell vergessen. Auf der Handlingstrecke im Test lässt die kernige Soundkulisse den Audi im Gegenteil subjektiv nochmals schneller wirken, als er es ohnehin schon ist. Bemerkenswert ist, wie zielgenau sich der Ingolstädter in die Kurven werfen lässt, dabei praktisch keinerlei Seitenneigung zeigt, enorm hohe Seitenführungskräfte aufbaut und sich selbst von provozierten Lastwechseln zu keiner Zeit aus der Ruhe bringen lässt. Beim Mini herrscht dagegen schnell Unruhe. Bei Gaswegnahme in der Kurve wandert die Hinterachse gern und leicht Richtung äußeren Straßenrand. Bei eingeschaltetem elektronischen Stabilitätsprogramm greift dieses viel früher und spürbarer ein als das dezenter agierende Pendant des Audi. Zudem verfügt der Ingolstädter über die etwas standfesteren Bremsen, während der Mini Cooper S den kürzeren Kaltbremsweg (34,6 Meter) für sich verbuchen kann.

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Mini Facelift (2018): Motor & Ausstattung Das kostet das Mini Facelift

 

Umwelt/Kosten: Audi A1 40 TFSI knapp vor Mini Cooper S

Seinen höheren Grundpreis macht der Audi A1 40 TFSI im Test mit seiner den sportlichen Charakter betonenden Serienausstattung wieder wett. Denn Sportsitze, schaltbare Dämpfer und Lenkung sowie das Doppelkupplungsgetriebe müssen beim Mini Cooper S extra bezahlt werden und treiben seinen bewertungsrelevanten Preis auf knapp über 30.000 Euro. Während in dieser Summe auch bereits eine Metallic-Lackierung inbegriffen ist (A1: 550 Euro), bietet Audi im Gegenzug eine lebenslange Mobilitätsgarantie (Mini: fünf Jahre). Die Vor- und Nachteile in den weiteren Bewertungspunkten wie prognostizierter Wertverlust, Kraftstoff- und Werkstattkosten sowie Versicherungseinstufungen gleichen sich weitgehend aus. In Summe feiert der neue Audi A1 damit im fünften Wertungskapitel dieses Vergleichstest seinen dritten Kapitelsieg.

Vergleichstest
Audi A1/Ford Fiesta/Mini Cooper/VW Polo: Test Wer holt sich die Kleinwagen-Krone?

 

Messwerte und Technische Daten Audi A1 Sportback & Mini Cooper S 5-Türer

AUTO ZEITUNG 8/2019Audi A1 Sportback 40 TFSIMini Cooper S 5-Türer
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4; Turbo4/4; Turbo
Hubraum1984 cm³1998 cm³
Leistung147 kW/200 PS141 kW/192 PS
Max. Gesamtdrehmoment320 Nm280 Nm
Getriebe/Antrieb6-Gang-Doppelkupplung/
Vorderrad
7-Gang-Doppelkupplung (opt.)/
Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1260/1310 kg1270/1317 kg
Beschleunigung (Test)  
0 - 100 km/h6,2 s6,3 s
0 - 150 km/h12,7 s13,3 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)235 km/h235 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,7/33,4 m34,6/34,5 m
Verbrauch (Test/WLTP)8,4/6,9 l S/100 km8,3/6,8 l S/100 km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)199/157 g/km197/155 g/km
Preise
Grundpreis29.100 Euro26.950 Euro
Testwagenpreis29.550 Euro30.700 Euro

von Carsten van Zanten von Carsten van Zanten
Unser Fazit

Die leichten Einbußen beim Komfort verzeiht man dem neuen Audi A1 Sportback 40 TFSI gern. Denn das aktuelle Topmodell der kleinsten Modellreihe aus Ingolstadt setzt andere Prioritäten – und macht daraus schon rein optisch keinen Hehl. Ganz im Sinne der erfolgreichen Rallye-Tradition von Audi überzeugt der A1 vor allem fahrdynamisch rundum. Hinzu kommen das großzügige Raumangebot sowie moderne Sicherheits- und Infotainment-Features. Dass er in Summe zudem günstiger ist als der Mini Cooper S, rundet den souveränen Sieg des Ingolstädters ab. Der Brite gewinnt immerhin zwei Testkapitel, spielt aber weniger die Dynamik- als vielmehr die Komfortkarte aus.

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