Audi e-tron 55 quattro: Test Audis Elektro-SUV e-tron im Test

von Jürgen Voigt 03.04.2019
Inhalt
  1. Der Audi e-tron 55 quattro im Test
  2. Beim Brems-Test überzeugt der Audi e-tron 55 quattro
  3. Technische Daten des Audi e-tron 55 quattro

Der Audi e-tron 55 quattro ist technisch ein echter Revoluzzer, der das Autofahren grundlegend verändert. Nicht nur zum positiven, wie der AUTO ZEITUNG-Test verrät!

Von vorne blicken wir bei dem Audi e-tron 55 quattro auf eine vertraute Lichtsignatur und vier Ringe im ungewohnt metallisch schimmernden, zum Teil geschlossenen Grill, und hinten steht "55 quattro" drauf. Ganz klar, im Test wir haben es mit einem Audi-SUV zu tun, allerdings nebenbei auch mit dem ersten rein elektrischen Serien-Audi, der aber darauf verzichtet, mit einem spacigen Design die E-gläubigen Jünger um sich zu scharen. Auch innen empfängt uns die bekannte Innenarchitektur der Audi-Oberklasse. Das bedeutet angenehm viel Bewegungsfreiheit sowie erhabenen Sitzkomfort auf allen Plätzen und ein großer Kofferraum (660 bis 1725 Liter). Weniger schön: Unter der Gürtellinie kleidet sich das Interieur in – zumindest beim Anfassen – recht billig wirkendes Hartplastik, das hier und dort auch ein wenig knarzt. Die Bedienstruktur folgt dem aktuellen Audi-Muster mit den beiden Touchscreens in der Mitte, zahlreichen Tasten im Lenkrad und einer hochentwickelten Sprachsteuerung. Das birgt eine gewisse Komplexität, in der Handhabung unterscheidet sich der Audi e-tron 55 quattro im Test aber kaum vom Rest der Audi-Welt. Obwohl: Ein paar Auffälligkeiten gibt es da schon. Sehr gewöhnungsbedürftig ist etwa der Ersatz der Außenspiegel durch ein Kamera-/Bildschirm-System (Option, 1540 Euro). Das soll den Luftwiderstand verbessern – was ja auch der so wertvollen Reichweite zugutekommt. Im Test aber lenkt der Blick auf die oben in den Türen installierten OLED-Displays zu sehr vom Geschehen auf der Straße ab. Zudem lassen sich Entfernungen auf den Monitoren schwer einschätzen. Mehr zum Thema: Wie gut sind virtuelle Außenspiegel?

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Der Audi e-tron 55 quattro im Test

Viel mehr Freude im Test bereiten dagegen die beiden achsweise getrennt installierten E-Maschinen des Audi e-tron 55 quattro, die es zusammen auf eine Maximalleistung von 408 PS respektive auf bis zu 664 Newtonmeter Drehmoment bringen. Besonders im Sport- beziehungsweise Dynamic-Modus schnellt der fast 2,6 Tonnen schwere Audi ansatzlos nach vorn. Diese scheinbare Leichtigkeit setzt der e-tron zumindest teilweise auch in ein folgsames und spurstabiles Fahrverhalten um. Nur das Lenkgefühl wirkt auch aufgrund des sehr hohen Gewichts etwas synthetisch, und in engen Radien schiebt der e-tron dann stur über alle viere nach außen, wenn es ihm zu bunt wird. Im Grunde hat es im Straßenbetrieb keinen Sinn, aber wer will, kann das ESP sogar abschalten, worauf der Audi e-tron 55 quattro durchaus lebhafte Lastwechselreaktionen auf dem Handlingparcours zeigt. Handfeste Vorteile hat dagegen die rein rechnerische Koordination der beiden Antriebe in Echtzeit, die spürbare Traktionsverluste praktisch im Keim erstickt. Dies verleiht dem e-tron eine sehr hohe Fahrstabilität. Adaptive Luftfederung und Dämpfung begleiten auf großer Fahrt mit einem hervorragenden Federungskomfort. Obendrein brilliert das Oberklasse-SUV im Test mit einem tollen Geräuschkomfort, sodass die an sich sehr leise agierende elektrische Antriebstechnik des Audi e-tron 55 quattro stets herauszuhören ist.

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Beim Brems-Test überzeugt der Audi e-tron 55 quattro

Eine schwer lösbare Rechenaufgabe bei einem Elektroauto sind das Gefühl und die Dosierbarkeit im Bremspedal. Auch hier haben die Ingenieure des Audi e-tron 55 quattro ganze Arbeit geleistet, denn im automatischen Rekuperationsmodus weist das Antriebssteuergerät beiden E-Maschinen stets die passende Bremswirkung zu. Gleichzeitig wird im Bremspedal ein konstant fühlbarer Druckpunkt erzeugt. Zudem kann der Fahrer die Bremswirkung über die Plus-Minus-Wippen am Lenkrad auch manuell beeinflussen. Das ist nur ein Beispiel für die komplexen technischen Zusammenhänge, die im Hintergrund ablaufen und das Fahren mit dem Audi e-tron 55 quattro im Test so entspannt und dynamisch gestalten. Auf der Messstrecke knickt der Audi e-tron 55 quattro auch unter Dauerbelastung nicht ein, er sprintet in nur 5,4 Sekunden auf Tempo 100 und absolviert auch die Brems-Messreihe standfest. Nach den Verbrauchs-Messfahrten bleibt jedoch ein zwiespältiges Bild. Im AUTO ZEITUNG-Verbrauchszyklus, zu dem auch eine Volllast-Passage gehört, stellt sich ein Verbrauch von 33,1 kWh/100 Kilometer ein. Somit erlaubt die 95-kWh-Batterie eine Testreichweite von lediglich 287 Kilometern – weit entfernt von der WLTP-Norm-Angabe von bis zu 417 Kilometern. Doch in der Praxis verkneift man sich ohnehin Vollgasfahrten mit dem Blick auf die dann rapide sinkende Reichweite. Dann schafft man es mit einer Batterieladung auch gut und gern 350 bis 400 Kilometer weit. Dennoch kommt für viele Langstrecken-TDI-Fahrer ein Umstieg auf den e-tron somit nicht in Frage, zumal das Netz an 150-kW-Schnellladestationen, wo der Audi e-tron 55 quattro mit bis zu 150 kW Leistung in nur 30 Minuten zu 80 Prozent nachgeladen werden kann, noch eher dünn ist.

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Technische Daten des Audi e-tron 55 quattro

Audi e-tron 55 quattro
MotorAsynchron-Maschinen vorne und hinten
Leistungvorne:  135 kW (184 PS); 309 Newtonmeter
hinten: 165 kW (224 PS); 355 Newtonmeter
Gesamtleistung: 300 kW (408 PS)
Max. Systemdrehmoment664 Newtonmeter
Gebtrieb/AntriebPlanetengetriebe vorne und hinten (Konstantübersetzung)
Allradantrieb
0 - 100 km/h5,4 s
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
Leergewicht2598 kg
Bremsweg aus 100 km/h (warm)34,1 m
Reichweite287 km
Grundpreis79.900 Euro

von Jürgen Voigt von Jürgen Voigt
Unser Fazit

Der Audi e-tron 55 quattro verbin­det auf faszinierende Weise völlig neue Technologien und Bewährtes zu einem kom­fortablen, dynamischen und damit typischen Audi-Ober­klasse-SUV. Doch die neue E-Technologie ist gleichzeitig der limitierende Faktor: Die 95-kWh-Batterie wiegt schwer, ermöglicht aber dennoch nur eine Reichweite, die nicht ent­fernt an die Langstrecken-Au­tonomie eines TDI heranreicht.

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