Betrug im Internet

19.05.2010

Vorsicht: Gauner im Netz

Nur wenige Klicks trennen beim Kauf im Internet das erhoffte Schnäppchen von den immer gefährlicheren Lockangeboten der Online-Betrüger. Denn neben den privaten Autokäufern entdecken dramatisch viele Kriminelle den Automarkt im Internet für sich.

Die Anzahl potenzieller Opfer ist verlockend groß: Vor allem für Gebrauchtwagenkäufer und -verkäufer ist das Internet heute eine beliebten Anlaufadresse.

Nach Angaben der führenden Online-Automärkte AutoScout24 und mobile.de haben bereits rund drei Millionen Deutsche ihr letztes Auto im Internet gekauft. Fest steht: Beim Online-Kauf drohen die gleichen Gaunereien wie auf dem klassischen Fahrzeugmarkt. Auch im Netz geht es um scheinbar unschlagbare Schnäppchenangebote, ungedeckte oder gefälschte Schecks, kostenpflichtige Telefonnummern oder trickreich fingierte Autokäufe.

Doch der Betrug im Internet ist für die Kriminellen viel einfacher: Online können sie anonym auftreten und - fast zum Nulltarif - eine riesige Anzahl ahnungsloser User erreichen. Doch keine Angst: Prinzipiell ist der Kauf im Internet nicht gefährlicher als auf einem gängigen Automarkt oder beim Händler um die Ecke. Wer sich hier wie dort an einige wichtige Regeln hält, ist auf der sicheren Seite: So müssen Sie jedes auch noch so verlockende Angebot gründlich prüfen.

Reagiert der Vertragspartner darauf verdächtig, am besten gleich die Finger von dem Schnäppchen lassen. Ist der erste Kontakt über das Internet geknüpft, sollten Sie das Netz für die weiteren Verhandlungen unbedingt verlassen. Denn schon am Telefon und erst recht bei der Besichtigung des Autos vor Ort büßt der Betrüger mit der Anonymität seine beste Tarnung ein.

Markus Bach

DAS GELD IST WEG, WAS TUN?

Rechtsanwalt Martin Wilkel, AUTO ZEITUNG- Experte für Online-Recht aus Dortmund

Wenn Sie nach der Zahlung des Geldes feststellen, dass Sie auf einen Betrüger hereingefallen sind, sollten Sie zuerst Ihre Bank benachrichtigen: Unter Umständen kann die Überweisung rückgängig gemacht werden.

Auch bei der Bezahlung per Bargeldtransfer sollten Sie versuchen, die Transaktion zu stoppen. Schwieriger wird es, wenn der Betrüger das Geld schon erhalten hat und der Kontakt zu ihm abgebrochen ist. Melden Sie sich dann umgehend bei dem Online-Markt und erstatten Sie Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft ist dann berechtigt, alle notwendigen Daten vom Betreiber anzufordern. Übrigens: Entdecken Sie einen nicht benannten Mangel an dem gekauften Auto, sollten Sie mit dem Verkäufer Kontakt aufnehmen und ihm den Schaden schildern.

Setzen Sie Ihm schriftlich eine Frist. Weigert er sich, die genannten Mängel abzustellen, kündigen Sie den Rücktritt vom Vertrag und rechtliche Schritte an. Suchen Sie sich dann einen Anwalt für Online-Recht: Denn neben den kaufrechtlichen Ansprüchen bietet das Fernabsatzrecht weitere Möglichkeiten, Ihnen zu Ihrem Recht zu verhelfen.

DIE NEUEN TRICKS DER BETRÜGER
Vorsicht, Fallen: In Zusammenarbeit mit den beiden größten Internet-Fahrzeugmärkten, AutoScout24 und mobile.de, haben wir für Sie die aktuellen Praktiken der Internetgangster ermittelt.


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  • Anzahlung mit Bargeld Nachdem sich der Interessent mit dem Verkäufer in Verbindung gesetzt hat, fordert der eine Anzahlung auf den Kaufpreis. Mit dem Bargeldtransfer (oft über Western Union oder MoneyGram) soll der Interessent seine Kaufabsicht unterstreichen.

  • Gefälschte Seiten An eingetragene Kunden von Internet-Märkten werden gefälschte E-Mails mit dem Absender des Unternehmens gesendet. Diese fordern dazu auf, die geheimen Zugangsdaten auf einer Website einzugeben. Diese Seiten sind in ihrem Aussehen denen von bekannten Automärkten nachempfunden, jedoch gefälscht.

  • Kauf über Treuhandkonten Der Interessent wird vom Verkäufer gebeten, die Zahlung über einen Treuhänder abzuwickeln. Um den Käufer zu überzeugen, verweist der Autobesitzer auf die Internet-Seite des Treuhänders. Diese ist jedoch gefälscht und verschwindet nach der Zahlung wieder aus dem Netz.

  • Teurer Rückruf Nachdem der Käufer sein Interesse signalisiert hat, wird er vom Verkäufer - in der Regel per SMS - um einen Rückruf gebeten. Dabei handelt es sich oft um sehr teure Telefonnummern. In einer langen Warteschleife wird der Käufer dann hingehalten.
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  • Zu hoher Scheck Ein Interessent aus dem Ausland kontaktiert den Verkäufer und akzeptiert sofort den Kaufpreis. Angeblich aus Versehen schickt er jedoch einen viel höheren Scheck an den Autobesitzer. Dieser soll den Differenzbetrag dann per Bargeldtransfer überweisen. Kurz darauf platzt der zunächst gutgeschriebene Scheck.

  • Vermittlergebühr Der Betrüger meldet sich und gibt vor, einen Käufer für das Auto zu haben. Der Verkäufer müsse ihm lediglich eine Gebühr für Probefahrt, Fahrzeugreinigung und Bearbeitung überweisen. Nach dem Eingang des Geldes ist der fingierte Käufer mitsamt dem Betrüger verschwunden.

  • Lange Anfahrt Ein Interessent verspricht einen hohen Kaufpreis, wenn das Auto zu ihm gebracht wird. Wenn der Verkäufer nun nach langer Anreise ankommt, verweigert er den vereinbarten Preis. Viele genervte Verkäufer lassen sich dann auf einen reduzierten Preis ein.
  • Darauf müssen Sie achten

    So erkennen Sie unseriöse Anbieter im Internet

    Schwarze Schafe fallen auf, auch im Netz. Überprüfen Sie zuerst die Kontaktdaten des Vertragspartners: Stimmen der Name und die Anschrift aus dem Internet mit den späteren Angaben überein, ist der Ansprechpartner unter der genannten Telefonnummer zu erreichen?

    Zudem sollte der Käufer/Verkäufer Sie ausführlich über die Verkaufsabwicklung (Fahrzeugübergabe, Zahlung) informieren. Dokumentieren Sie schriftlich das Angebot und den gesamten E-Mail-Verkehr und bestehen Sie auf einem Kaufvertrag. Ein seriöser Vertragspartner wird Ihnen zudem die Gelegenheit für eine Probefahrt geben, bei der Sie Ihn persönlich treffen können.

    Bittet der Verkäufer um Vorkasse oder die Zahlung über einen Treuhandservice, sollten Sie von dem Geschäft absehen (außer beim Kauf über Ebay). Generell gilt: Erst nach Aushändigung sämtlicher Papiere und Schlüssel bezahlen.

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