BP-Chef Uwe Franke im Interview zu E10 und den Erdölreserven BP-Chef iim Interview: "Genügend Erdöl für dieses Jahrhundert"

24.01.2011

BP-Chef Uwe Franke spricht über den Bio-Kraftstoff Super E10, die Zukunft von Benziner und Diesel und die Verfügbarkeit von Erdöl

Herr Franke, müssen wir ab 2011 Super E10 mit zehn Prozent Bioethanolanteil tanken?
Sie können niemanden zwingen, Super E10 zu tanken. Alle Mineralölfirmen sind verpflichtet, eine so genannte Schutzsorte mit der bisherigen Ethanol-Beimischung von fünf Prozent anzubieten. Die Hauptsorte sollte aber Super E10 sein. Nur wenn möglichst viele Autofahrer diese tanken, können wir Mineralölfirmen die Beimischungsquote der Bundesregierung erfüllen. Ansonsten werden Strafzahlungen fällig.

Wie erkenne ich, ob mein Auto das neue Super E10 verträgt?

Eine verbindliche Auskunft darüber, ob ein Auto für E10 geeignet ist, kann nur der Hersteller geben. Die Autofahrer können sich heute schon informieren, denn die Verträglichkeitslisten liegen vor. Für Kunden, deren Autos kein E10 vertragen, wird weiterhin Super mit bis zu fünf Prozent Ethanol angeboten.

Wie wird das Super E10 an den Tankstellen gekennzeichnet?
Mit einem normierten Aufkleber „Super 95 E10“ direkt an der Zapfsäule. Zudem sind wir verpflichtet, den neuen Kraftstoff auch auf die Preisanzeigen zu übernehmen.

Übersicht über E10-fähige Fahrzeuge:

Erhöhen sich durch die E10-Einführung die Kraftstoff-Preise?
Momentan kostet Ethanol im Markt mehr als Benzin. Die Preisgestaltung ist aber jedem Mineralölunternehmen selbst überlassen. Wie die Preise für E10 tatsächlich aussehen werden, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Wir müssen allerdings darauf achten, viel E10 zu verkaufen, um die Beimischungsquote zu erfüllen.

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Ab 2011 darf nur noch Biosprit verkauft werden, der die Nachhaltigkeitsverordnung erfüllt. Was steckt dahinter?
Die Hersteller von Ethanol müssen nachweisen, dass ihre Biokraftstoffe – vom Anbau bis zur Auslieferung – eine gewisse Mindestmenge an Treibhausgasen gegenüber fossilem Benzin einsparen. Zudem dürfen für den Anbau der Pflanzen keine neuen Flächen gerodet werden. Zurzeit ist aber nicht genügend nachhaltig zertifiziertes Material auf dem Markt, damit wir die Beimischungsquote erfüllen können.

Die deutschen Bioethanol-Hersteller haben ihre Kapazitäten erhöht. Reicht das nicht aus?

Nein, denn die Produzenten liegen da noch hinter dem Zeitplan. Wir als Mineralölgesellschaft sind aber von den zertifizierten Herstellern abhängig, da wir selbst kein eigenes Bioethanol erzeugen.

Aus welchen Pflanzen wird Ethanol für E10 gewonnen?

In Europa dienen meist Roggen, Weizen oder Zuckerrüben als Grundlage für die Ethanol-Herstellung. In Brasilien wird Zuckerrohr verwendet, in den USA zunehmend auch Mais.

Wie sieht die CO2-Bilanz von Bioethanol aus?

Das Kohlendioxid, das bei der Verbrennung im Motor entsteht, haben die Pflanzen während ihres Wachstums aus der Luft aufgenommen. Beim reinen Verbrennungsvorgang werden pro Liter Benzin im Schnitt 2,36 Kilogramm CO2 erzeugt, pro Liter Bioethanol nur 1,51 kg. Dazu kommen noch weitere Treibhausgase, die bei Produktion und Transport anfallen. Insgesamt ist die CO2-Bilanz von Ethanol besser als bei fossilen Kraftstoffen.

Wieso drohen einigen Autos sogar Motorschäden, wenn sie Super E10 tanken?

Ethanol hat andere chemische Eigenschaften als Benzin. E10 kann bestimmte Dichtungsmaterialien angreifen und im Kraftstoffsystem verwendete Metalle wie Aluminium korrodieren. Bereits eine einzige Füllung E10 schädigt das Auto.

Erhöht sich bei Super E10 der Verbrauch der Autos?

Ethanol besitzt einen niedrigen Energieinhalt – rund zwei Drittel des Benzins. Dadurch entsteht ein Mehrverbrauch von etwa drei Prozent.

Wie viel Potenzial steckt noch im Verbrennungsmotor, um die Verbräuche zu reduzieren?

Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren mindestens 20 bis 30 Prozent Einsparung bei Benzin- und Dieselmotoren technisch möglich sind.

Wie lange haben wir noch fossile Brennstoffe zur Verfügung?

Die gemeldeten Vorkommen sind nur ein kleiner Teil der wirklichen Reserven. Zudem hat sich die Fördertechnologie rasant weiterentwickelt. Daher sind wir überzeugt, dass Öl in diesem Jahrhundert weiterhin verfügbar ist. Die Gas- und Kohlereserven reichen sogar noch länger.

Ist das von der Regierung angestrebte Ziel von einer Million E-Autos in 2020 erreichbar?
Ich halte das anvisierte Ziel von einer Million Elektroautos in 2020 und sechs Millionen bis 2030 für sehr ambitioniert. Das Elektroauto wird kommen, aber wahrscheinlich nicht so schnell wie viele erwarten. Die Reichweiten werden aber begrenzt bleiben. Heute hat eine 180 Kilogramm schwere Batterie nur den Energieinhalt von fünf Liter Benzin.

Welche Antriebstechnik wird sich in Zukunft durchsetzen?

Für uns gibt es drei Pfade zur künftigen Mobilität: erstens Autos mit verbesserten Verbrennungsmotoren, kombiniert mit Hybridelementen und betankt mit effektiveren Biokraftstoffen. Zweitens Fahrzeuge mit Autogas- und Erdgasantrieb. Diese werden aktuell stark vernachlässigt. Dabei wird Erdgas sehr lange günstig verfügbar sein, Autos und ein Tankstellennetz gibt es bereits. Drittens das E-Auto für den Nahverkehr.

Das Gespräch führten Volker Koerdt und Markus Bach

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