Diesel Euro 6 nachrüsten (SCR): Tipps zur Umrüstung! Regeln für Euro-6-Umrüstung sollen Anfang 2019 kommen

von Alexander Koch 11.12.2018
Inhalt
  1. Diesel Euro 6 nachrüsten: Das sind die Einbau-Kosten!
  2. Wie funktioniert die Euro-6-Nachrüstung von Baumot (Twintec)?
  3. Welchen Vorteil bietet Baumot gegenüber anderen SCR-Anlagen?
  4. Welche Alternativen gibt es zu Baumot? (Amminex/Oberland Mangold)
  5. Hat eine Euro-6-Nachrüstung auch Nachteile (Kosten)?
  6. Welche Autos sind SCR-Kat-tauglich?
  7. Ab wann ist die Hardware verfügbar?
  8. Wer haftet bei eventuellen Folgeschäden (Garantie)?
  9. Gibt es Förderungen vom Staat?
  10. Ist eine Euro-6-Nachrüstung auch durch Software-Update möglich?

Dieselfahrzeuge durch SCR-Kats auf Euro 6 nachrüsten und dadurch Fahrverbote vermeiden: Wir nennen Anbieter, Vor- und Nachteile, Kosten und geben Tipps zur Umrüstung! Die dafür nötigen Vorschriften sollen Anfang 2019 in Kraft treten.

Um den drohenden Dieselfahrverboten in deutschen Großstädten zu entgehen, sollen Diesel-Pkw mit Euro 5 auf Euro-6-Norm umgerüstet werden. Der Bund erwartet dabei von den Automobilherstellern, dass sie die Kosten für die Anschaffung und des Einbaus zu übernehmen. Den rechtlichen Rahmen dazu möchte das Bundesverkehrsministerium bis Anfang 2019 geschaffen haben. Wie solch eine Umrüstung aussehen kann, welche Anbieter es gibt und wie hoch die Kosten sind, zeigen verschiedene Beispiele.

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Diesel Euro 6 nachrüsten: Das sind die Einbau-Kosten!

Entgegen vieler Befürchtungen soll die Nachrüstung für Diesel Euro 6 nicht nur mit überschaubarem Aufwand, sondern auch mit vertretbaren Kosten zu bewältigen sein. 1500 bis 2000 Euro stehen für solch eine Umrüstung im Raum, die laut Baumot (ehemals Twintec) etwa einen halben Tag in einer AU-berechtigten Fachwerkstatt benötigt. Andere Anbieter sehen die Kosten je nach Modell und Aufwand bei bis zu 5000 Euro. Allerdings müsste der Umbau durch den Gesetzgeber auch anerkannt werden. Zur Zeit ist eine Zulassung der Diesel-Euro-6-Nachrüstung – wenn überhaupt – nur in einem teuren und komplizierten Einzelverfahren möglich, so Baumot-Geschäftsführer Henning Middelmann. Ob die Kfz-Steuer, die sich unter anderem auch an dem Schadstoffausstoß der Autos bemisst, durch die Umrüstung sinkt, lässt sich zum aktuellen Stand ebenfalls nicht sagen.

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BNOx-SCR-System von Twintec
Baumot (Twintec) bietet Euro-6-Nachrüstungen für Dieselfahrzeuge an. © VW/Twintec
 

Wie funktioniert die Euro-6-Nachrüstung von Baumot (Twintec)?

Das BNOx-SCR-System von Baumot (ehem. Twintec) spritzt das AdBlue in einen separat platzierten, elektrischen Generator ein, der beheizt wird. Der Generator verdampft das AdBlue und leitet es dann in den Abgasstrang weiter. Beim üblichen SCR-Katalysator wird die Harnstofflösung AdBlue direkt in den Antriebsstrang eingespritzt. Da für den Betrieb des SCR-Kats allerdings Temperaturen von 220 Grad notwendig sind, funktioniert die übliche Abgasreinigung bei wenig Motorlast, in der Kaltstartphase oder im Kurzstreckenbetrieb nicht optimal. Insgesamt kann das BNOx-SCR-System von Baumot die Stickoxide um 95 Prozent auf dem Prüfstand und um 93 Prozent unter realen Bedingungen auf der Straße reduzieren. So wäre auch nachträglich eine Euro-6-Einstufung möglich – die Grenzwerte für Euro 6 werden durch Twintec teils deutlich unterschritten. Werden entsprechende gesetzlichen Rahmen geschafft, plant Baumot, das BNOx-SCR-System für alle relevanten Fahrzeugtypen anzubieten.

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Welchen Vorteil bietet Baumot gegenüber anderen SCR-Anlagen?

Die Lösung zur Euro-6-Nachrüstung für Diesel von Baumot (ehem. Twintec) umgeht die Nachteile herkömmlicher SCR-Anlagen: Sie erzeugt bereits ab Abgastemperaturen von 150 °C Ammoniak und hat zusätzlich einen Heizkatalysator eingebaut, der bei zu niedrigen Temperaturen Energie zuführt. Daher kann die NOx-Reaktion laut Baumot schon bei deutlich niedrigeren Abgastemperaturen stattfinden. Das kommt den Straßenbedingungen entgegen, bei denen die Abgastemperaturen zum Teil deutlich niedriger sind als bei Prüfstandtests. Das ist insbesondere für die zukünftigen Abgasmessungen bei Neuwagen ab 2017 relevant, bei denen die Werte im Straßenverkehr erfahren werden müssen.

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Welche Alternativen gibt es zu Baumot? (Amminex/Oberland Mangold)

Allternativen zur Euro-6-Umrüstung von Diesel gibt es von Amminex und Oberland Mangold: So bietet das dänische Unternehmen Amminex (Faurecia) mit BlueFit eine eigene Nachrüstlösung für die Reinigung von Dieselabgasen an. Wichtig für den Kunden: Eingriffe in den Motorraum oder die Software sind nicht nötig. Es werden lediglich zwei kompakte Patronen mit festem, in Salz gebundenem Ammoniak in der Reserveradmulde platziert. In den Kartuschen lässt sich mehr als doppelt so viel Ammoniak als bei AdBlue bei gleichem Raumbedarf einlagern. Durch Aufheizen entsteht gasförmiges Ammoniak, das ins Abgas geleitet wird und dort das NOx zersetzt. Allerdings wird bei dieser Form der Euro-6-Nachrüstung alle 15.000 Kilometer ein Wechsel der leicht erreichbaren Patronen fällig. Dies soll in der Werktstatt lediglich zwei Minuten dauern. Auch Oberland Mangold hat ein "Neo-Blue" getauftes Nachrüst-System entwickelt. Hier wird das AdBlue in einer Heizkammer mit 200 °C zur NOx-Reduktion in Ammoniak verwandelt.

 

Hat eine Euro-6-Nachrüstung auch Nachteile (Kosten)?

Ohne Nachteile kommt auch die Euro-6-Nachrüstung für Diesel mit dem Update für die SCR-Anlage nicht aus: Ein erster ADAC-Test eines auf Euro 6 nachgerüsteten VW Passat (1,6-Liter-TDI) hat einen Anstieg des Kraftstoffverbrauchs ergeben. Demnach ist der Diesel-Verbrauch etwa fünf Prozent höher als vor der Umrüstung. Die Lichtmaschine muss zusätzliche Energie bereitstellen, die das Nachrüstsystem zur Dosierung und Heizung benötigt. Allerdings ist der Rückgang des Schadstoffausstoßes immens: "Die Stickoxidwerte sinken um deutlich mehr als 90 Prozent", erklärt Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik. Der AdBlue-Verbrauch betrug beim getesten Prototypen circa zwei Liter auf 1000 Kilometer. Im ungünstigsten Falle steigt der Verbrauch auf drei Liter AdBlue je 1000 Kilometer. Die Kosten für den AdBlue-Einsatz belaufen sich dann auf etwa 20 Cent je 100 Kilometer. Zudem muss das Reserverad dem Ad-Blue-Tank weichen und eine Vorratsanzeige auf das Amaturenbrett geschraubt werden.

 

Welche Autos sind SCR-Kat-tauglich?

Der ZDK (Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe) geht davon aus, dass sich 95 Prozent der Pkw mit Euro-5-Zertifizierung oder älter nachrüsten lassen, auch ausländische Fahrzeuge.

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Ab wann ist die Hardware verfügbar?

Diesel-Fahrer werden noch mindestens bis 2019 auf die Nachrüstsysteme warten müssen. Hersteller wie Baumot wollen zwar 2019 mit ersten für Euro 5-Diesel vorgesehenen Lösungen auf den Markt kommen, doch kalkulieren Experten deutlich vorsichtiger: "Ich rechne erst in zwei Jahren mit nennenswerten Stückzahlen bei verfügbaren Umrüstsätzen", sagt etwa Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft in Geislingen. Das scheint auch die Anzahl, beim Kraftfahrtbundesamt zur Freigabe vorliegender Nachrüstsysteme zu bestätigen: Anfang Oktober 2018 war es genau eins!

 

Wer haftet bei eventuellen Folgeschäden (Garantie)?

Die Haftung übernimmt der Zulieferer, Kulanzansprüche an den Autobauer entfallen durch den Eingriff. Die Durchrostungsgarantie wird wegen der nötigen Durchbrüche im Unterboden ungültig.

 

Gibt es Förderungen vom Staat?

Eine Förderung durch den Staat, wie damals bei der Einführung der grünen Plakette, ist zwar wünschenswert, aber unwahrscheinlich. Allerdings hat der Bund zuletzt mehrfach bekräftigt, dass man hoffe, dass sich die Autobauer an den Umrüstungen zumindest teilweise finanziell beteiligen. VW und Daimler haben mittlerweile zugestimmt, sich bei der Nachrüstung mit 3000 Euro zu beteiligen. Dies gilt allerdings nur für Halter von Euro-5-Dieseln in den 14 so genannten Intensivstädten.

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Ist eine Euro-6-Nachrüstung auch durch Software-Update möglich?

Tatsächlich bietet auch ein Software-Update die Möglichkeit, einen Euro-5-Diesel auf Euro 6 umzurüsten. Dabei geht es vor allem darum, die sogenannten "Thermofenster" abzuschaffen, in denen die Abgasnachbehandlung aufgrund zu tiefer Temperaturen aussetzt: "Diesen Begriff hat die Industrie ohnehin erst vor einigen Monaten erfunden, um Temperaturbereiche zu erklären, in denen die Abgasrückführung einfach abgeschaltet wird, um den Motor zu schonen", erklärte Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik, gegenüber der Welt am Sonntag. Die Stickoxid-Emissionen werden einem ADAC-Test zufolge bei einer Software-Lösung um durchschnittlich 60 Prozent verringert. Aber auch der Verbraucht steigt: Gut vier Prozent mehr Diesel benötigt der Pkw nach dem Software-Update. Außerdem könne es sein, dass sich der Motorverschleiß erhöhe, da Abgase bei zu niedrigen Temperaturen zurück in die Verbrennungskammer geleitet werden.

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