Dieselfahrverbote (Städte): Das muss man wissen! Messstationen werden überprüft

von Alexander Koch 13.12.2018
Inhalt
  1. Stickoxid-Messstationen werden überprüft
  2. EU-Gericht: Fahrverbote auch für Euro-6-Diesel
  3. Gelsenkirchen & Essen mit Dieselfahrverboten
  4. Dieselfahrverbot in Wiesbaden, Darmstadt & Limburg?
  5. Köln & Bonn müssen Dieselfahrverbote einführen
  6. Berlin: Dieselfahrverbote auch auf Stadtautobahn?
  7. Gesetz zur Einschränkung von Dieselfahrverboten
  8. Alle Dieselfahrverbote in der Übersicht (Tabelle)
  9. Warum drohen Dieselfahrverbote?
  10. Was legitimiert die Fahrverbote (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts)?
  11. Gelten Fahrverbote pauschal in der Innenstadt?
  12. Welche Diesel sind von den Fahrverboten betroffen?
  13. Fahrverbote auch für Benziner?
  14. Gibt es Ausnahmeregelungen bei Fahrverboten?
  15. Wie werden die Fahrverbote kontrolliert?
  16. Gibt es Alternativen zu Dieselfahrverboten?

Sind Dieselfahrverbote korrekt? Das Bundesumweltministerium reagiert auf die Kritik an Stickoxid-Messstationen und lässt ihre Positionierung durch den TÜV überprüfen. Fakt ist aber: Es drohen weiteren Städten Fahrverbote, darunter Gelsenkirchen, Essen, Darmstadt und Limburg. Auch Benziner sind betroffen. Dieser Artikel wird laufend aktualisiert!

 

Stickoxid-Messstationen werden überprüft

Im Streit um Dieselfahrverbote in Städten lässt das Bundesumweltministerium die Standorte der Stickoxid-Messstationen überprüfen. Der TÜV soll unabhängig und deutschlandweit die Messstellen überprüfen. In diesem Zusammenhang aber betont das Ministerium auch, dass die Berichterstattung über vermeintlich falsch aufgestellte Stickoxid-Messstationen falsch sei. Die Überprüfung diene nun, den Vorwürfen mit "klaren Fakten" zu begegenen. Allerdings setzt die Überprüfung die Zustimmung der Bundesländer voraus, die NO2-Messung fällt nämlich in die Hoheit der Umweltbehörden der Länder. Wo Messstellen stehen sollen, legt die EU-Richtlinie 2008/50/EG fest: Sie stehen sowohl an Orten mit den "höchsten Konzentrationen" als auch an Orten, wo die Belastung geringer ist. Zwar gibt es einen gewissen Spielraum für die Positionierung der Stickoxid-Messstationen , der aber beträgt meist nur wenige Meter: "mindestens 25 Meter vom Rand verkehrsreicher Kreuzungen und höchstens 10 Meter vom Fahrbahnrand entfernt" sowie "in einer Höhe zwischen 1,5 Metern (Atemzone) und 4 Metern über dem Boden". Ende April 2018 hatten sich Verkehrsminister von Bund und Ländern dafür ausgesprochen, die Messstationen überprüfen zu lassen. Scheuer hatte Zweifel angemahnt, "ob in Madrid, Brüssel, Marseille oder Rom die Schadstoffbelastung genauso exakt gemessen wird, wie in deutschen Städten". Erste Überprüfungen in NRW hatten indes nur kleinere Beanstandungen ergeben. Mehr zum Thema: Dieselfahrverbote auch in Paris

Alte Diesel werden nach Osteuropa exportiert (Video):

 
 

EU-Gericht: Fahrverbote auch für Euro-6-Diesel

Zukünftig könnten auch Dieselfahrzeuge der Euro-6-Norm von Dieselfahrverboten betroffen sein, wie aus einem Urteil des EU-Gerichts hervorgeht. Die luxemburgischen Richter hatten entschieden, dass die Stickoxid-Grenzwerte für Autos der Norm Euro-6 im Jahr 2016 zu unrecht von der EU-Kommission gelockert wurden. Europäische Städte waren gegen die Lockerung der Abgas-Grenzwerte vorgegangen. Die EU-Kommission wollte den für die Euro-6-Norm geltenden Grenzwert von 80 mg Stickoxid pro Kilometer übergangsweise auf 168 mg/km und anschließend auf 120 mg/km ändern. Die Begründung: Bisher ermittelte Laborwerte seien oft viel niedriger als jene, die im echten Fahrbetrieb entstehen. Bis zum Februar 2020 ändert sich jedoch erst mal nichts, um Rechtssicherheit zu bewahren und sicherzustellen, dass es weiterhin gültige Grenzwerte gibt. Nach Ablautf der 14-monatigen Frist könnten europäische Großstädte grundsätzlich die Grenzwerte der Euro-6-Norm anfechten und im Zweifel sogar Fahrverbote gegen moderne Dieselfahrzeuge verhängen dürfen – auch wenn sie offiziell zugelassen wurden.

News
EU-Urteil zu Euro-6-Norm (Grenzwerte)  

EU-Gericht erklärt Abgaswerte für nichtig

 

Gelsenkirchen & Essen mit Dieselfahrverboten

Erneut verhandelte ein Gericht über Dieselfahrverbote, erneut war die Deutsche Umwelthilfe (DUH) der Kläger – nur, dass es dieses Mal Gelsenkirchen und Essen trifft. Am Donnerstag, 15. November 2018, hatte das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen die Entscheidung getroffen, dass die beiden Ruhrgebietsstädte Strecken- oder ganze Zonen betreffende Dieselfahrverbote aussprechen müssen. Konkret bedeutet das für Essen die Einrichtung einer Fahrverbotszone einschließlich von Teilen der vielbefahrenen Autobahn 40. Insgesamt sind 18 der 50 Stadtteile der Ruhrgebietsstadt betroffen. Für Gelsenkirchen ordnete das Gericht ein Fahrverbot für ältere Diesel auf einer Hauptverkehrsstraße an. Das hat zur Folge, dass in der neuen Zone in Essen vom 1. Juli 2019 an nur noch Dieselfahrzeuge der Schadstoffklasse 5 oder höher, vom 1. September 2019 an dann nur noch Diesel-Fahrzeuge der Klasse 6 fahren dürfen. In Gelsenkirchen soll die Kurt-Schumacher-Straße bereits vom 1. Juli 2019 an nur noch für Euro-6-Diesel befahrbar sein. Für Gewerbetreibende soll es jeweils Ausnahmen geben. Sowohl in Essen als auch in Gelsenkirchen sind auch Benziner mit Euro-2-Norm und schlechter von dem Fahrverbot betroffen.

 

Hintergrund der Klage zu Dieselfahrverboten in Essen und Gelsenkirchen ist, dass an der Messstation Essen-Frohnhausen, die direkt an der vielbefahrenen A40 liegt, 2017 ein Jahresmittel von 50 Mikrogramm gemessen wurde. Auch an vier weiteren Messstationen wurde der Grenzwert von 40 Mikrogramm überschritten. In Gelsenkirchen betrifft das mögliche Dieselfahrverbot die Kurt-Schumacher-Straße, die ein Jahresmittel von 46 Mikrogramm aufweist. Das Land NRW zeigte sich ob der Härte des Urteils überrascht, zweifelt an der Verhältnismäßigkeit des Dieselfahrverbots und kündigt an, in Berufung gehen zu wollen. Auch andere Stimmen übten Kritik an dem Urteil. Verkehrsminister Scheuer (CSU) nannte das Urteil ebenso wie Gelsenkirchens Oberbürgermeister Baranowski (SPD) "unverhältnismäßig". FPD-Bundestagsfraktionsvize Frank Sitta bezeichnete es gar als "völlig absurd" und sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Das hat mit Verhältnismäßigkeit nun wirklich nichts mehr zu tun. Wenn im Ruhrgebiet ein totales Verkehrschaos herbeigemessen wird, kann auch niemand behaupten, dass das der Gesundheit der Bevölkerung irgendwie dienlich ist." Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) nahm den Bund in die Pflicht und forderte schnelle Soft- und Hardwarenachrüstungen, die nicht zu Lasten der Bürger ausfallen dürfen.

News Kennzeichenerfassung Dieselfahrverbot
Fahrverbote kontrollieren: Automatische Kennzeichenerfassung & RFID  

Städte gegen automatisierte Kontrollen

 

Dieselfahrverbot in Wiesbaden, Darmstadt & Limburg?

Zwei Gerichtsverhandlungen entscheiden über mögliche Dieselfahrverbote in den hessischen Städten Wiesbaden und Darmstadt. Am 21. November 2018 ging die Verhandlung über Fahrverbote in Darmstadt ohne Urteil zu Ende. Die Deutsche Umwelthilfe als Kläger und das Land Hessen treten nun in Vergleichsverhandlungen. Das Gericht terminierte die Verkündigung auf den 19. Dezember 2018. Am gleichen Tag wird auch über entsprechende Fahrverbote in Wiesbaden verhandelt. Eine weitere Stadt, die in Hessen betroffen sein könnte, ist Limburg an der Lahn. Die DUH hat bereits eine Klage gegen die Stadt eingereicht. Grund ist der erhöhte Wert einer Messstation. 58 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft bedeuten Platz Sechs in der Rangliste der schmutzigsten Städte – trotz ihrer vergleichsweise geringen Größe.

 

Köln & Bonn müssen Dieselfahrverbote einführen

Dieselfahrverbote auch in Köln und Bonn: Die 13. Kammer des Verwaltungsgerichts Köln hat am 8. November 2018 entschieden, dass die beiden Rheinmetropolen ab April 2019 Fahrverbote eingeführt werden müssen. Geklagt hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Das Verbot soll schrittweise und flächendeckend umgesetzt werden. Ab 1. April 2019 soll demnach ein Verbot für Diesel der Schadstoffklasse 4 gelten, das ab 1. September gleichen Jahres auf Dieselfahrzeuge mit Euro 5 ausgeweitet wird. Die Verbotszone soll sich in Köln an der bereits bestehenden grünen Umweltzone orientieren. In Bonn hingegen soll es streckenbezogene Fahrverbote für den Belderberg und die Reuterstraße geben. Allerdings will das Bundesland Nordrhein-Westfalen gegen die Dieselfahrverbote in Köln und Bonn Berufung einlegen. Das gab die Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken kurz nach dem Urteil am 8. November 2018 bekannt. Ihre Behörde vertritt das Land in der juristischen Auseinandersetzung mit der Deutschen Umwelthilfe, die Dieselfahrverbote vor dem Gericht durchgesetzt hatte. Die Behördenchefin Walsken bemängelte, dass das Gericht die Verhältnismäßigkeit einer so weitgehenden Maßnahme nicht ausreichend bedacht habe. Für Handwerker, aber auch Privatleute hätten Fahrverbote gravierende Folgen, sagte sie.

News Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer
Hardware-Nachrüstung gegen Diesel-Fahrverbote  

Regierung stellt mehr Geld für betroffene Städte bereit

 

Berlin: Dieselfahrverbote auch auf Stadtautobahn?

Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), hält Dieselfahrverbote auf der Berliner Stadtautobahn für unausweichlich. Resch zufolge gilt diese Annahme für 117 weitere Straßenabschnitte in der Hauptstadt, die mit hohen Stickstoffdioxid-Werten aufgefallen sind. Das ginge über die Entscheidung des Verwaltungsgerichts hinaus, lediglich elf Abschnitte stark befahrener Straßen für alte Diesel zu sperren. Die DUH beruft sich dabei auf die schriftliche Begründung des Gerichts zum Urteil vom 9. Oktober 2018. Derartige Maßnahmen seien nicht mit der Sperrung einzelner Straßen, sondern nur mit größeren Dieselfahrverbotszonen möglich.

 

Gesetz zur Einschränkung von Dieselfahrverboten

Nach einem Kabinettsbeschluss vom 15. November 2018 könnten Dieselfahrverbote nun wieder eingeschränkt werden. Dafür wird eine Änderung im Bundesimmissionsschutzgesetz vorgenommen. In Städten mit relativ geringen Überschreitungen des Grenzwerts für gesundheitsschädliche Stickoxide seien Diesel-Fahrverbote – in der Regel – nicht verhältnismäßig, weil andere Maßnahmen ausreichten, um den Grenzwert einzuhalten, heißt es. Fahrverbote sollen in der Regel nur in Gebieten in Betracht kommen, in denen der Stickstoffdioxid-Wert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel überschritten wird. Der europäische Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm. Die Städte können allerdings weiterhin frei entscheiden. Zudem wird festgeschrieben, dass Diesel mit den Abgasnormen Euro 4 und Euro 5 von Fahrverboten ausgenommen werden, wenn sie im Alltag nicht mehr als 270 Milligramm Stickstoffdioxid pro gefahrenem Kilometer ausstoßen. Möglich machen könnte dies zum Beispiel das Nachrüsten eines zusätzlichen Katalysators. Unabhängig von ihrem NO2-Ausstoß sollen Euro-6-Diesel von Fahrverboten ausgenommen sein. Gleiches gilt für schwere Kommunalfahrzeuge, die umgerüstet wurden. Umweltverbände und Oppositionspolitiker kritisieren die Aufweichung des EU-Grenzwertes.

 

Alle Dieselfahrverbote in der Übersicht (Tabelle)

OrtUmfangbetroffene Fahrzeugeab wann
Aachenoffenoffen1. Januar 2019
Berlinstreckenbezogen:
noch nicht definiert
Euro-5-Diesel und schlechterspät. Ende Juni 2019
Bonnstreckenbezogen:
Belderberg,
Reuterstraße
Euro-4-Diesel und schlechter,
Euro-2-Benziner und schlechter
1. April 2019
Euro-5-Diesel1. September 2019
EssenFahrverbotszoneEuro-4-Diesel und schlechter,
Euro-2-Benziner und schlechter
1. Juli 2019
Euro-5-Diesel1. September 2019
Frankfurt a. M.FahrverbotszoneEuro-4-Diesel und schlechter,
Euro-2-Benziner und schlechter
1. Februar 2019
Euro-5-Diesel1. September 2019
Gelsenkirchenstreckenbezogen:
Kurt-Schumacher-Straße
Euro-5-Diesel und schlechter,
Euro-2-Benziner und schlechter
1. Juli 2019
Hamburgstreckenbezogen:
Max-Brauer-Allee,
Stresemannstraße
Euro-5-Diesel und schlechter31. März 2018
KölnFahrverbotszoneEuro-4-Diesel und schlechter,
Euro-2-Benziner und schlechter
1. April 2019
Euro-5-Diesel1. September 2019
Mainzoffenoffenspät. 1. September 2019 (wenn NO2-Werte weiter überschritten)
StuttgartFahrverbotszoneEuro-4-Diesel und schlechter1. Januar 2019
Euro-5-Dieselspät. 1. September 2019

Blaue Plakette für Dieselautos (Video):

 
 

Warum drohen Dieselfahrverbote?

Dieselfahrverbote drohen, da in Städten und Ballungszentren EU-Grenzwerte für Stickoxide immer wieder deutlich überschritten werden. Beim besonders gesundheitsschädlichen Gas Stickstoffdioxid (NO2) stellte das Umweltbundesamt 2016 an rund 60 Prozent aller Messstationen an stark befahrenen Straßen Überschreitungen fest. Der von der EU festgelegte Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter im Jahresdurchschnitt wurde 2015 besonders deutlich in Stuttgart gerissen. Am Neckartor lag die Konzentration des lungenschädlichen Gases bei durchschnittlich 87 Mikrogramm. An der Landshuter Allee in München waren es 84 Mikrogramm pro Kubikmeter. Auch an einzelnen Messstationen in Köln, Kiel, Heilbronn, Hamburg und Darmstadt wurden Werte von über 60 Mikrogramm pro Kubikmeter festgestellt. Weil die Grenzwerte in Deutschland seit Jahren überschritten werden, hatte die EU-Kommission gegen Deutschland ein Verfahren eröffnet. Immer wieder warnen auch Umweltorganisationen vor gesundheitlichen Risiken durch Stickstoffdioxid.

News Verbot von Benzin- und Dieselautos in Dänemark
Verbot von Benzin- und Dieselautos (Verbrennerverbot!)  

Dänemark plant Verbrennerverbot

 

Was legitimiert die Fahrverbote (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts)?

Dieselfahrverbote als Mittel gegen erhöhte Schadstoffwerte in Innenstädten ermöglicht hat das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig vom 27. Februar 2018. Daraufhin begann die DUH mit einer Klagewelle gegen Kommunen, die die EU-Grenzwerte für Stickoxide im Mittel überschreiten. Das Gericht setzte auch fest, dass es Übergangsfristen und eine phasenweise Einführung von Dieselfahrverboten geben soll. Außerdem müsse es Ausnahmeregelungen geben, etwa für Handwerker. Die Polizei darf die Einhaltung der Fahrverbote und ihrer Ausnahmen überprüfen. Eine finanzielle Ausgleichspflicht gibt es nicht, denn "gewisse Wertverluste sind hinzunehmen", sagte der Vorsitzende Richter Andreas Korbmacher. In der Urteils-Begründung unterschied das Gericht deutlich zwischen zonalen Fahrverboten und denen auf einzelnen Strecken. "Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit ist stets zu beachten und verbietet es, derartig weitreichende Verkehrsverbote ohne Berücksichtigung der damit für die betroffenen verbundenen wirtschaftlichen Folgen auszusprechen." Eine phasenweise Einführung von zonalen Fahrverboten sei demnach zu prüfen. Danach wären ältere Fahrzeuge (bis Euro 4) beispielsweise eher betroffen und neuere Fahrzeuge mit Euro 5 nicht vor dem 1. September 2019. Streckenbezogene Verbote, wie nun in Hamburg, müsse man hingegen hinnehmen, da sie über Durchfahrt- oder Halteverbote nicht hinausgingen, mit denen Autofahrer stets rechnen müssten. Ursprünglich hatten die Verwaltungsgerichte in Stuttgart und Düsseldorf entschieden, die Luftreinhaltepläne müssten verschärft werden, weshalb auch Fahrverbote in Betracht zu ziehen seien. So hatte das Stuttgarter Gericht Dieselfahrverbote als "effektivste" Maßnahme bezeichnet. Das Düsseldorfer Gericht urteilte, Fahrverbote müssten "ernstlich geprüft" werden. Die Bundesländer wiederum argumentieren, es gebe Rechtsunsicherheiten, und es fehle eine bundesweit einheitliche Regelung. Diese Auffassung wies das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mit dem Urteil zu Dieselfahrverboten vom 27. Februar 2018 zurück.

News Kein Verbrenner-Verbot in Norwegen
E-Autos in Norwegen ab 2025 (Update!)  

Benzin-Diesel-Verbot entschärft

 

Gelten Fahrverbote pauschal in der Innenstadt?

Das ist nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgericht Leipzig aus dem Februar 2018 den Städten und Kommunen überlassen. Sie können ganze Gebiete, oder aber nur einzelne Straßen für Dieselautos sperren.

 

Welche Diesel sind von den Fahrverboten betroffen?

Auch hier gibt es keine pauschale Antwort, doch in der Regel dürfte die Dieselfahrverbote die Dieselautos mit der Schadstoffklasse Euro 5 oder schlechter betreffen. Im Einzelnen gibt das der Luftreinhalteplan der jeweiligen Stadt und Kommune vor. Die DUH kündigte bereits an, dass man auch Euro-6-Diesel im Visier habe. "Ab 2020 wird es auch für Euro 6-Fahrzeuge Fahrverbote geben. Die Grenzwerte bei Euro 6 werden zum Teil um das 25fache überschritten", sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch der NRZ. Noch sind diese aber nicht von Verboten betroffen.

News Porsche Urteil Abgasskandal
Rückgabe Porsche-Diesel: Gerichtsurteil Stuttgart  

Porsche muss Diesel zurücknehmen

 

Fahrverbote auch für Benziner?

Bei der Diskussion um Dieselfahrverbote geht bisweilen unter, dass auch Benzinern davon betroffen sind. Das ab 1. Februar 2019 in Frankfurt geltende Fahrverbot inkludiert bereits Benziner die maximal die Euro-2-Norm erfüllen. Und auch in Köln, Bonn, Essen und Gelsenkirchen sollen die Fahrverbote Benziner alter Normen umfassen. Betroffen wären viele Youngtimer der Neunzigerjahre. Fahrzeuge mit Euro-1-Norm kamen erstmals 1993 auf den Markt, Euro 2 wurde vier Jahre später eingeführt und erst um die Jahrtausendwende von Euro 3 abgelöst. Vom Oldtimer-Status, beziehungsweise vom H-Kennzeichen, das von Fahrverboten befreit, sind entsprechende Fahrzeuge zeitlich noch ein gutes Stück entfernt. Grund für das Fahrverbot ist auch hier der erhöhte Stickoxid-Ausstoß, der bei Euro-1-Benzinern auf dem Niveau von Euro-4-Dieseln liegt. Erst ab Euro 3 gilt der NOx-Ausstoß als so niedrig, dass keine Verbote drohen. Nachrüstungen, um bessere Abgasnormen zu erfüllen, gelten als aufwändig und teuer.

Hilfe AdBlue Technik
Wozu brauchen Diesel AdBlue? Das ist zu beachten!  

So wird "Adblue" angewendet

 

Gibt es Ausnahmeregelungen bei Fahrverboten?

Theoretisch ja, doch vor allem sind Ausnahmen des Dieselfahrverbots für Rettungskräfte wie Feuerwehr oder Polizei sowie Lieferdienste (Post) und Handwerker zu erwarten. Konkret können das aber nur die jeweiligen Städte und Kommunen selbst beantworten.

 

Wie werden die Fahrverbote kontrolliert?

Die Kontrolle der Dieselfahrverbote ist momentan noch nicht klar geregelt. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: stichprobenartige Einzelüberprüfung oder die Überwachung per Kamera. Da für ersteres die Polizei zuständig wäre, meldete sich die Polizeigewerkschaft auch umgehend zu Wort und wies darauf hin, dass eine entsprechende Kontrolle ganzer Zonen kaum möglich seie. In Hamburg, wo sich die aktuell einzigen Verbotszonen befinden, gibt es solche Stichproben. Allerdings sind hier auch nur zwei vergleichsweise kurze Straßenabschnitte betroffen, die kontrolliert werden müssen. Ein Anfang November 2018 von der Bundesregierung auf den Weg gebrachter Gesetzentwurf soll eine automatisierte Nummernschild-Überwachung ermöglichen. Die Stadt Frankfurt lehnt die automasisierte Erfassung aus Datenschutz-Bedenken ab. Solche Bedenken gibt es an vielen Stellen. Zudem würde die Auswertung der Daten mehr Personal fordern. In Stuttgart, wo ab Anfang 2019 ein flächendeckendes Fahrverbot gilt, wird es Überprüfungen im Rahmen normaler Polizeikontrollen geben oder die Verhängung eines Bußgeldes im Rahmen anderer Vergehen – etwa wegen Falschparkens. Dann kämen zu dem normalen Knöllchen 80 Euro wegen des Fahrens in die Zone dazu. Eine neue Plakette (oftmals als "Blaue Plakette bezeichnet) könnte die Erkennung von zur Einfahrt in Dieselfahrverbotszonen legitimierten Fahrzeugen vereinfachen, wird jedoch von der Bundesregierung abgelehnt.

Dieselfahrverbote: Kennzeichenerfassung im Gespräch (Video):

 
 

Gibt es Alternativen zu Dieselfahrverboten?

Mit dem Ausbau von Ladestationen für Elektroautos oder der Förderung von Elektroautos und -fahrrädern für Handwerker, Vereine oder Lieferdienste möchte der Diesel-Fonds die Luft deutscher Innenstädte verbessern und Alternativen zu Dieselfahrverboten schaffen. Diverse Autoclubs sprechen sich zudem für Hardware-Nachrüstungen aus.

Tags:
Website promotions progressive.ua
узнать больше farm-pump-ua.com

yarema.ua
Copyright 2018 24fr.info. All rights reserved.