Hyundai Santa Fe/Skoda Kodiaq: Test Knapper Kodiaq-Sieg gegen Santa Fe

von Martin Urbanke 09.11.2018
Inhalt
  1. Hyundai Santa Fe und der Skoda Kodiaq im Test
  2. Karosserie: Santa Fe & Kodiaq als Siebensitzer erhältlich
  3. Fahrkomfort: Hyundai gut gedämmt
  4. Motor: Santa Fe schnurrt dezent
  5. Getriebe: DSG des Kodiaq reagiert häufig träge 
  6. Fahrdynamik: Hyundai behänder unterwegs
  7. Umwelt/Kosten: Skoda klar günstiger 
  8. Technische Daten Hyundai Santa Fe, Skoda Kodiaq

Mit dem komplett neuen Hyundai Santa Fe schicken die Südkoreaner ein stattliches SUV in den Test und auf den Markt, das dem erfolgreichen Skoda Kodiaq Kunden abjagen soll. Geht der koreanische Abenteurer dem tschechischen Bären ernsthaft ans Leder?

Im Test stehen der Hyundai Santa Fe und der Skoda Kodiaq. Letzterer hat sich seit dem Marktstart Anfang 2017 als echter Erfolgstyp etabliert und als unbezwingbarer Vergleichstestsieger seiner Klasse erwiesen. Der Koreaner ist hierzulande dagegen bisher eher eine Randerscheinung geblieben. Zwar hat schon der Vorgänger viel Auto fürs Geld geboten und mit einem veritablen Reisekomfort gepunktet, doch ein Kassenschlager war er nicht. Das könnte sich mit der Neuauflage ändern: Der von Grund auf neue Santa Fe soll größer, komfortabler, sparsamer und sicherer geworden sein. Außerdem geben ihm die Designer eine sichtbar modernere Linie mit auf den Weg. Reicht das, um den Skoda als Alpha-Tier der SUV-Herde zu verdrängen? Mehr zum Thema: Alles zu Skoda

Skoda Kodiaq im Video: 

 
 

Hyundai Santa Fe und der Skoda Kodiaq im Test

Rein optisch macht der Neue zumindest schon mal ordentlich was her: Der inzwischen markentypische Kaskadengrill und wirkungsvoll platzierte Chrom-Akzente sowie ausgewogene Proportionen verleihen dem Hyundai Santa Fe einen respektablen Auftritt. Zudem ist der Offroader in der Länge auf 4,77 Meter gewachsen. Damit überragt er seinen Vorgänger und den Skoda Kodiaq um sieben Zentimeter. Dementsprechend bietet der Santa Fe spürbar mehr Bewegungsfreiheit auf allen Plätzen sowie einen um rund 100 Liter größeren Kofferraum als das bisherige Modell. Doch das optimal genutzte Packaging der MQB-Architektur des VW-Konzern-Derivats verschafft dem Kodiaq nicht nur einen geräumigeres Frachtabteil. Weil sein Armaturenträger weniger wuchtig wirkt und er mit mehr Innenhöhe sowie einem verschwenderischen Knieraum im Fond glänzt, sammelt er trotz kompakterer Abmessungen ein paar Zähler mehr. Übrigens: Beide Modelle gibt es gegen Aufpreis (Hyundai: 2100, Skoda 750 Euro) sogar als Siebensitzer.

 

Karosserie: Santa Fe & Kodiaq als Siebensitzer erhältlich

Der Abstand bei Qualität/Verarbeitung schmilzt ebenfalls auf wenige Punkte. Der Hyundai Santa Fe überzeugt mit sauberem Finish und einer sehr verwindungssteifen Karosserie. Wertig anmutenden Materialien (Armaturentafel-Oberfläche, Dachhimmel, Lederbezüge) stehen jedoch kratzige Kunststoffe in der unteren Hälfte des Interieurs gegenüber. Bei den Sicherheitssystemen wartet der Debütant mit zwei Besonderheiten auf: Neben den heutzutage üblichen Features gibt es für den Koreaner einen sogenannten Ausstiegsassistenten, der die hinteren Türen blockiert, sobald die Sensorik herannahende Fahrzeuge erkannt hat. Und falls man Insassen im geparkten Auto einschließt, schlägt die Elektronik Alarm. So sollen vor allem Kinder und Haustiere vor möglichen Hitzeschäden geschützt werden. Andererseits offeriert nur der Skoda Kodiaq einen automatischen Notruf, eine Anhängerrangier-Assistenz sowie ein System, das den Wagen selbstständig abstoppt, falls der Fahrer nicht mehr reagiert. Ein weiterer Schritt in Richtung autonomes Fahren.

 

Fahrkomfort: Hyundai gut gedämmt

Solange wir jedoch am Steuer noch selbst die Verantwortung tragen, dient ein hohes Komfortniveau nicht nur dem Wohlbefinden an Bord, sondern auch dazu, die Konzentration des Fahrers aufrecht zu erhalten. Hierbei überzeugt der Hyundai Santa Fe-Testwagen mit sehr bequem gepolsterten sowie klimatisierten Sitzen (Option) und einem angenehm zurückhaltenden sonoren Geräuschteppich. Außerdem sprechen seine Federelemente sanft und harmonisch auf Unebenheiten an. Der Skoda Kodiaq hingegen wirkt trotz der optionalen adaptiven Dämpfer (DCC, 940 Euro) unruhiger. Zwar verkraftet er Zuladungen besser als der Wettbewerber, doch mit zwei Personen besetzt wirkt er mitunter etwas hölzern. Seine Sitze sind straffer gepolstert, und die serienmäßigen Stoffbezüge erlauben weniger Luftzirkulation im Rückenbereich.

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Motor: Santa Fe schnurrt dezent

Im Fond warten beide Kandidaten mit verschiebbaren und in der Neigung einstellbaren Zitzmöbeln auf, wobei die Rückbank des Kodiaq etwas mehr Beinauflage gewährt. Dass der TDI-Motor bis 1500 Umdrehungen vernehmlich brummt und bei steigenden Drehzahlen knurrig tönt, während der 2,2-Liter im Hyundai Santa Fe durchgehend dezent vor sich hin schnurrt, spricht indes für den Asiaten. Typisch Skoda: zahlreiche praxisnahe Ablagemöglichkeiten sowie nützliche Gimmicks wie ein Eiskratzer in der Tankklappe, die Parkticket-Klemme in der Windschutzscheibe und Regenschirme in den Türen. Auf Wunsch gibt es zudem Klapptische im Fond, einen Skisack oder eine nützliche Mülltüten-Halterung mit Deckel. Mehr zum Thema: Alles zu Hyundai

 

Getriebe: DSG des Kodiaq reagiert häufig träge 

Wichtiger als diese cleveren Details ist jedoch die Antriebstechnik – heute mehr denn je. Und während der 2.2 CRDi des Hyundai Santa Fe bereits nach dem WLTP-Verfahren homologiert und in die Schadstoffnorm Euro 6d-Temp eingestuft ist, wartet man beim Skoda Kodiaq noch auf die endgültige Freigabe der WLTP-Daten. Aktuell können neue Fahrzeuge darum nicht mehr zugelassen werden, obwohl auch der 2.0 TDI bereits über einen SCR-Katalysator mit Harnstoffeinspritzung (AdBlue) verfügt. Doch der CRDi im Santa Fe bietet noch weitere Vorzüge: Er tritt einerseits noch bulliger an als der keineswegs schwächliche TDI und dreht zugleich leichtfüßiger hoch. Dank seines breiten nutzbaren Drehzahlbands wirkt er sogar in Kombination mit dem manuellen Sechsgang-Getriebe ausgesprochen harmonisch. Optional bietet Hyundai den Diesel mit einer neuen selbstentwickelten Achtstufen-Automatik an (2400 Euro). Den 190 PS starken Diesel-Kodiaq hingegen findet man in der Preisliste nur in Verbindung mit Doppelkupplungsgetriebe. Das DSG wechselt zwar normalerweise automatisch zwischen den sieben Gängen, reagiert aber – je nach Situation – recht träge oder unerwartet ruppig auf Beschleunigungswünsche. Hier fehlt noch der letzte Feinschliff. Bei den Verbrauchsmessungen liegen die beiden Duellanten auf Augenhöhe, wobei der Santa Fe mit einem etwas geringeren Testwert (7,3 Liter/100 km) und dem größeren Tankvolumen einen um fast 200 Kilometer größeren Aktionsradius realisiert – und dieses Kapitel für sich entscheidet.

 

Fahrdynamik: Hyundai behänder unterwegs

Auch die Dynamik-Wertung geht an den Hyundai Santa Fe, der nicht nur behänder um die Slalomhütchen wedelt, sondern auch im Handling höhere Grenzgeschwindigkeiten erzielt. Weil er überdies auch noch ausgesprochen spurstabil verzögert und den Fahrer selbst bei abgeschalteter Dynamikregelung nicht überfordert, gleicht er das verzögerte und etwas gefühllose Ansprechen der elektro-mechanischen Servolenkung um die Mittellage aus. Allerdings erfordert er selbst bei ruhiger Autobahnfahrt nach kontinuierlichen, lästigen Kurskorrekturen. Im direkten Vergleich hinterlässt die Lenkung des Skoda Kodiaq den präziseren und direkteren Eindruck. Doch auch der Geradeauslauf des Kodiaq ist nicht makellos. Der Tscheche fährt dennoch narrensicher, und sein Allrad bietet noch mehr Traktion. Das HTRAC-System des Santa Fe erlaubt zwar eine stufenlos variable Kraftverteilung von 100:0 bis 50:50 zwischen Vorder- und Hinterrädern, doch in schnellen Kurven entlasten die inneren Räder stärker, und auch im Gelände verliert der Hyundai eher die Bodenhaftung.

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Der Santa Fe startet bei 35.070 Euro

 

Umwelt/Kosten: Skoda klar günstiger 

Ein wenig abgehoben erscheint auf den ersten Blick zudem der Grundpreis des Hyundai Santa Fe: Der 200-PS-Diesel kostet mindestens 45.800 Euro (inklusive Navi und Leder), während der Skoda Kodiaq als TDI samt Allrad und DSG ab 38.190 Euro in der Liste geführt wird – ohne dass ihm wesentliche Ausstattungsfeatures fehlen würden. Mit fünf Jahren Garantie ohne Kilometerbegrenzung unterbreiten die Hyundai-Händler ihren Kunden indes ein konkurrenzlos gutes Angebot. Bei Skoda endet die Frist schon nach zwei Jahren, lässt sich aber gegen Zuzahlung auf maximal fünf Jahre (150.000 Kilometer) ausweiten. Doch das allein genügt dem Hyundai nicht, um den Kostenvorteil des Skoda auszugleichen, der somit einmal mehr gewinnt.

 

Technische Daten Hyundai Santa Fe, Skoda Kodiaq

 Skoda Kodiaq 2.0 TDI SCR 4x4Hyundai Santa Fe 2.2 CRDi 4WD
Zylinder/Ventile pro Zylin.4/4, Turbodiesel4/4, Turbodiesel
Hubraum1968 ccm2199 ccm
Leistung190 PS200 PS
Max. Gesamtdrehmoment400 Newtonmeter440 Newtonmeter
Getriebe/Antrieb7-Gang, Doppelkupplung/Allrad6-Gang, manuell/Allrad
Beschleunigung  
0 - 100 km/h8,3 s8,0 s
0 - 150 km/h18,6 s17,7 s
Höchstgeschwindigkeit210 km/h205 km/h
Leergewicht (Werk)1740 kg1850 kg
Bremsweg aus 100 km/h warm33,0 m33,6 m
Verbrauch (Test/EU)7,6/5,7 l D/100 km7,3/5,7 l D/100 km
CO2-Ausstoß (Test/EU)202/150 g/km194/150 (WLTP:182) g/km
Grundpreis38.190 Euro45.800 Euro
Testwagenpreis39.560 Euro47.750 Euro
Punktzahl (max. 5000 Punkte)3206 Punkte3179 Punkte
Platzierung12

von Martin Urbanke von Martin Urbanke
Unser Fazit

Alle Achtung: Der neue Hyundai Santa Fe 2.2 CRDi 4WD ist nicht nur ein optisch sehr respektables Auto geworden. Mit viel Platz, hohem Komfort und seinem harmonischen Antrieb schiebt er sich bis auf wenige Zähler an den erfolgsverwöhnten Tschechen heran. Seine Schwachstellen: die wenig überzeugende Kalibrierung der Servolenkung – und die ungünstige Kostenbilanz. Dass der Skoda Kodiaq 2.0 TDI SCR 4x4 diesen Test gewinnt, verdankt er seinen vielen Talenten: Er bietet noch mehr Platz, ist ähnlich komfortabel und bis ins Detail clever gemacht. Das adaptive Fahrwerk beherrscht Dynamik und Offroad-Exkursionen. Günstige Preise und niedrige Unterhaltskosten sind weitere Argumente. Was fehlt? Mehr Feinschliff für das Doppelkupplungsgetriebe und eine Homologation nach WLTP-Norm …

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