Neue Renault Alpine A110 (2017): Erste Testfahrt So fährt sich die neue Alpine A110

von Paul Englert 14.12.2017
Inhalt
  1. Erste Testfahrt in der neuen Renault Alpine A110 (2017)
  2. Komfortables Fahrwerk ohne adaptive Dämpfer
  3. Neue Renault Alpine A110 (2017) reagiert spontan
  4. Technische Daten & Preis

Die geklebte, genietete und geschweißte Alukarossiere macht die neue Renault Alpine A110 (2017) leicht und besonders steif. Wie sich die 252 PS starke Neuauflage fährt, klärt die erste Testfahrt.

Für die Entwicklung der neuen Renault Alpine A110 (2017) sind sie quasi alles gefahren, was vier Räder hat und Spaß macht: Elise, MX-5, Alfa 4C, GT86, TT, Cayman, F-Type. Und selbstverständlich das Original, die Alpine A110 Berlinette anno 1962. Nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil auch die 55 Jahre alte Grande Dame aus Dieppe – Rallyesiege noch und nöcher im Gepäck – Vorlage sein sollte für die Neuauflage. Sie – das sind die Entwickler von Renault Sport, eine kleine Truppe erfahrener Ingenieure, die ganz genau weiß, wie man ein alltagstaugliches Sport-Fahrwerk abstimmt und einer Lenkung Gefühl beibringt – das haben sie mit vielen Clio- und Mégane RS-Modellen bewiesen. Doch für die A110 mussten sie neu denken, weil das Comeback kein vorderradgetriebenes Auto werden sollte, sondern ein zweisitziges Coupé mit Hinterradantrieb, Mittelmotor und der DNA des Originals. Kompakt, komfortabel, leicht und wendig. "Okay", grinst Testfahrer Terry Baillon, "die nervöse Hinterachse der alten Alpine wollten wir nicht haben. Die steht ja schon beim kleinsten Lastwechsel quer." Das war vor einem halben Jahr, auf dem Beifahrerseitz eines Vorserienautos der neuen Renault Alpine A110 (2017).

Neue Renault Alpine A110 (2017) im Fahrbericht (Video):

 
 

Erste Testfahrt in der neuen Renault Alpine A110 (2017)

Jetzt dürfen wir selbst ans Steuer der neuen Renault Alpine A110 (2017) und Ingenieur Terry ist Statist. Zunächst geht's über verwinkelte, von einer täglichen Heerschaar von Lastwagen und vielen Wintern verwitterte Landstraßen in de Provence. Was auffällt: Man fühlt sich sofort integriert, verbunden mit dem 1,25 Meter flachen Coupé. Warum? Weil die Sabelt-Schalensitze den Fahrer regelrecht verschlucken – im positiven Sinne. Die Abstützung ist prima, die nicht verstellbare Lehne steht steil, das einstellbare, kleine Volant direkt vor der Brust. Startknopf gedrückt, den Einsachter Turbo mit 252 PS gezündet, Getriebe in D und auf zur ersten Serpentine. Via Lenkradtaste kann man vom Normalmodus in Sport und Track wechseln, ändert damit auch die Kennlinien von Motor, Antrieb sowie Lenkung. Und das Schönste: Die Abgasanlage öffnet eine Klappe. Jetzt klingt der Mittelmotor-Vierzylinder noch kerniger, rückt akustisch noch näher an die Rücken der Passagiere. Ein Zug an der rechten Schaltwippe und das Getrag-Getriebe legt den nächsten Gang ein. In Normal passiert das ganz ruhig. In Sport wird die Schaltzeit enorm verkürzt, in Track werden die Gänge richtig reingeschossen, untermalt von einem dominanten Endrohr-Schnalzer. Im manuellen Modus halt das Getriebe die Gänge sogar – kein nerviges Zurückschalten beim Kickdown, kein automatisches Hochschalten vorm Begrenzer. Im Schiebebetrieb gurgelt und schnalzt es ebenfalls, zackig schaltet der Doppelkuppler der neuen Renault Alpine A110 (2017) wieder runter. So muss ein Sportwagen arbeiten.

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Komfortables Fahrwerk ohne adaptive Dämpfer

Die ersten Schlaglöcher machen sich vor der neuen Renault Alpine A110 (2017) breit, Frostaufbrüche, schlampig verarbeitete Teernähte und Querfugen. Ausweichen geht nicht, dann lägen wir im Graben oder hingen in der Felswand. Also Augen zu und durch. Ob das gut geht? Ja, es geht – sehr gut sogar. Natürlich sind die Dämpfer recht straff ausgelegt, doch das Fahrwerk spricht auf Unebenheiten gut an, verarbeitet sie ganzheitlich, statt das Rad bloß darüber springen zu lassen. Und mit zunehmendem Tempo wirkt die Karosserie entkoppelter von den ungefederten Massen. Aber Achtung: Das heißt nicht, dass man das Gefühl fürs Fahrzeug verliert. Im Gegenteil. Die Lenkung spricht um den Nullpunkt sensibel aber nicht spitz an, zieht das Coupé mit jedem Grad mehr Input näher an den Scheitelpunkt. Was man oben am Lenkrad reingibt, bekommt man unten an den Vorderrädern nicht nur wieder raus, sondern wird auch ziemlich exakt umgesetzt. Und weil auf der Vorderachse deutlich unter 500 Kilo lasten, wirft sich die neue Renault Alpine A110 (2017) mit größtem Vergnügen in jede Art von Kurve, stützt sich mit den 205er vorn und den 235ern hinten (Michelin Pilot Sport 4) richtig gut ab, meldet uns genau und frühzeitig, wann wir Gas rausnehmen sollten, um nicht zu rutschen.

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Neue Renault Alpine A110 (2017) reagiert spontan

Mit Schmackes geht’s aus der Kurve raus, kurzer Sprint zur nächsten Kehre. Im wahrsten Sinne des Wortes ein leichtes Spiel für die neue Renault Alpine A110 (2017). Herrlich. Der Vierventiler mit Twinscroll-Lader reagiert angenehm spontan auf den Gasfuß und reißt ab 2000 Touren ordentlich an. Klar, 252 PS klingen auf dem Papier erst einmal etwas blass und man könnte daraus ohne Probleme 300 oder mehr machen. Doch erstens kann es nie genug Leistung sein und zweitens bräuchte man wahrscheinlich einige Modifikationen wie zum Beispiel eine Hinterachssperre – und die fehlt der Alpine. Außerdem muss ja noch Luft nach oben bleiben, für eine schärfere Variante der Französin aus Dieppe. Stattdessen unterstützt das sogenannte Dynamic Wheel Brake by Torque-System (DWBT) von Bosch. Ein Kompromiss, ja. Aber ein akzeptabler. Nächste Gerade, vor uns ein Riesenschlagloch. Das kann nicht gut gehen. Also Spurwechsel links, Spurwechsel rechts. Völlig entspannt, kein ESP-Zucken. Nichts.

 

Technische Daten & Preis

Technische DatenAlpine A110
Motor4/4, Twinscroll-Turbo
Hubraum1798 ccm
Leistung252 PS
Maximales Drehmoment320 Nm
Getriebe7-Gang, Doppelkupplung
AntriebHinterrad
0-100 km/h4,5 s
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Leergewicht1103 kg
L/B/H in mm4180/1798/1252
Kofferraumvorne 96 l / hinten 100 l
Testverbrauch6,2 l S/100 km
Grundpreis58.000 Euro

von Paul Englert von Paul Englert
Unser Fazit

Gewicht raus, Spaß rein: Alpine ist mit der neuen A110 ein richtig gutes Comeback gelungen. Das Leichtbau-Coupé anno 2017 ist kompakt, leicht, wendig und komfortabel. Manchmal ist weniger einfach mehr.

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