Neue Mercedes G-Klasse (2018): Erste Testfahrt So macht sich der neue G auf Testfahrt

von Thomas Geiger 07.05.2018
Inhalt
  1. Erste Testfahrt der Mercedes G-Klasse (2018) 
  2. Die neue G-Klasse kennt keine Kompromisse
  3. Neue G-Klasse mit bis zu 585 PS

Die neue Mercedes G-Klasse (2018) auf erster Testfahrt in Frankreich. So macht sich der Klassiker im Gelände und auf der Straße!

Rund um das Chateax Lastours im Südwesten Frankreichs scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Denn genau wie vor fast 40 Jahren startet hier die neue Mercedes G-Klasse (2018) zur ersten Testfahrt, die sich auf den ersten Blick kaum verändert hat: Noch immer kantig, mit Blinkern wie Krokodilsaugen auf dem eckigen Kotflügel, mit runden Glubschaugen als Scheinwerfern und nach wie vor mit Ersatzrad an der seitlich angeschlagenen Heckklappe. So ist die neue Mercedes G-Klasse (2018) zu einer Ikone geworden, für die es auch 39 Jahre nach der Premiere kein Ende gibt. Während Land Rover den Defender eingestellt hat, fährt die G-Klasse weiter. Im Gelände, weil der Vierkant aus Graz mit der Dreifaltigkeit aus drei Sperren, einem Leiterrahmen und einer Getriebeuntersetzung im Schlamm, auf Sand oder in den Steinen nicht zu stoppen ist. Die G-Klasse sei das einzige Auto im Mercedes-Portfolio, für das es kein offizielles Produktionsende gibt, sagt Baureihenchef Gunnar Güthenke. Wo die Ikonen allerorts aussterben und eingestellt werden, zeigt sich die G-Klasse stärker als die Zeit, erfindet sich neu und geht im Juni ab 107.041 Euro in einer komplett neu entwickelten Auflage an den Start. 

Neue Mercedes G-Klasse (2018) im Fahrbericht (Video):

 
 

Erste Testfahrt der Mercedes G-Klasse (2018) 

Die neue Mercedes G-Klasse (2018) zeigt auch leichte optische Veränderungen: Der Vierkant ist nicht nur deutlich gewachsen, sondern leistet sich ein paar zaghafte Rundungen – auch wenn man Hand anlegen muss, um zum Beispiel den Schwung in der Frontscheibe zu bemerken. Innen wird der Zeitenwechsel deutlicher. Die Mercedes G-Klasse (2018) flirtet mit den Digital Natives und lockt in einem ziemlich verspielten Cockpit mit dem Cinemascope-Bildschirm aus E- und S-Klasse samt Touchpad und Command-Controller auf dem leeren Mitteltunnel. Außerdem bietet der Geländewagen mehr Platz. Mit zwölf Zentimetern mehr Breite und zehn Zentimetern mehr Länge wächst die Kabine auf ein Format, das Knien, Köpfen und Schultern neue Freiheiten lässt. Die Türausschnitte im Fond sind groß genug und mit einer in der Neigung verstellbaren Lehne und entsprechend Beinfreiheit verliert der Rücksitz seinen Ruf als Strafbank. Unter dem Blech haben die Schwaben eine kleine Revolution angezettelt. "Wir montieren vorne eine Einzelradaufhängung, haben eine neue Lenkung und eine Verstelldämpfung“, schwärmt Baureihenchef Güthenke. Die erste Testfahrt gibt ihm Recht: Während der neuen Mercedes G-Klasse (2018) im Abseits auch nach vier Jahrzehnten keiner etwas vormacht, war das Fahrverhalten bislang eher mäßig. Selbst die erste M-Klasse von 1997 war komfortabler und spurstabiler als die letzte Evolutionsstufe der G-Klasse. Vom Vergleich mit modernen Modellen wie dem GLE oder dem GLS ganz zu schweigen. Der neuen G-Klasse dagegen hat Mercedes die biestigen Bocksprünge abgewöhnt und endlich Manieren beigebracht: Das Auto federt softer, lenkt sich leichter und fühlt sich trotz des größeren Formats handlicher an. So wird die G-Klasse so etwas wie die S-Klasse fürs Grobe und eignet sich, nicht zuletzt auch wegen der besseren Geräuschdämmung und der reduzierten Angriffsfläche für den Fahrtwind, endlich auch als Langstreckenauto.

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Die neue G-Klasse kennt keine Kompromisse

Güthenke weiß um das Risiko, dass die neue Mercedes G-Klasse (2018) als verweichlicht gelten könnte. Deshalb macht die G-Klasse für den Alltag keine Kompromisse beim Abenteuer. In der Theorie nicht, weil zumindest der Leiterrahmen, die Getriebeuntersetzung und die drei 100-prozentigen Sperren so unverrückbar zur G-Klasse gehören wie der Stern im eckigen Grill. Und in der Praxis nicht, weil trotz des größeren Radstandes und der breiteren Spur alle im Gelände relevanten Werte besser geworden sind: "Bodenfreiheit und Wattiefe, Rampen- und Böschungswinkel – überall haben wir noch ein paar Punkte rausgeholt“, so Güthenke. Weil es dazu neuerdings jede Menge elektronischer Helfer vom "G-Mode“ in der Fahrprofilauswahl gibt, können auch Laien am Lenkrad diese neue Freiheit besser ausschöpfen: Egal, wie steil die Hänge sind, wie groß der Schotter ist oder wie tief man durchs Wasser watet – viel mehr als dem kleinen Finger und den großen Zeh braucht man nicht, um den Koloss durchs Grobe zu führen. Das Design vorsichtig poliert, das Fahrwerk revolutioniert und das Innenleben vernünftig modernisiert – nur unter der Haube hat es für etwas wirklich Neues nicht gereicht. Zum Start kommt die neue Mercedes G-Klasse (2018) nur als 500er mit einem 4,0-Liter großen V8, den man mit seinen 422 PS und 610 Newtonmetern aus dem letzten 4x4x2 kennt. Dass er trotzdem besser beschleunigt, schneller fährt und mit 11,1 Litern weniger verbraucht, liegt an der neuen Neungang-Automatik und den bis zu 170 Kilo, die das Stahlgebirge abgespeckt hat. Alternativ zum 500er gibt es zum Start auch einen G63, den die Truppe von AMG verantwortet. Für einen Aufpreis von rund 40.000 Euro kitzeln sie aus dem V8-Triebwerk 585 PS, schrauben das maximale Drehmoment auf 850 Newtonmeter und lassen die Leine etwas lockerer: Mit schier unendlichem Schub und einem Gewittergrollen aus den Sidepipes erreicht der G so bis zu 240 Stundenkilometer – und fühlt sich bei diesem Tempo ziemlich souverän an. 

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Neue G-Klasse mit bis zu 585 PS

Später im Jahr gibt es die neue Mercedes G-Klasse (2018) mit neuem Reihensechszylinder-Diesel mit bis zu 340 PS aus der S-Klasse. Ein Mild-Hybrid ist sicher, ein Plug-In wahrscheinlich und eine reine Akku-Version nicht ausgeschlossen. "Denn auch an diesem Klassiker wird die Ära der Elektrifizierung nicht spurlos vorüber gehen“, hat Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Premiere Anfang des Jahres in Detroit versprochen. Sie fährt besser als je zuvor, auf der Straße und im Gelände, sie bietet mehr Ambiente sowie Ausstattung und man hat auf allen Plätzen genügend Platz. Obwohl sie ganz die Alte geblieben ist, geht die neue Mercedes G-Klasse (2018) mit der Zeit und ist deshalb ein rund herum neues Auto. Das ist es, was für Baureihenchef Güthenke den Erfolg des Vierkants ausmacht. Denn man braucht nicht nur starke Gene, um die Evolution zu überstehen, man müsse sich auch anpassen können. Und wenn man es dabei schafft, sich selbst treu zu blieben, dann hat man eine Ikone, die sogar der Zeit ein Schnippchen schlägt. 
 

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