Opel-Verkauf an Peugeot PSA: Verkaufszahlen brechen ein Keine weiteren Kündigungen bei Opel

von AUTO ZEITUNG 01.06.2018
Inhalt
  1. Opel-Verkauf an Peugeot PSA
  2. Milliardenverluste bei Opel
  3. Gründe für Opel-Misere
  4. Opel-Verkauf an PSA: zweitgrößter Autokonzern Europas
  5. Opel-Sanierungsprogramm "Pace"
  6. PSA dementiert: Keine Forderung an GM
  7. PSA: Opels CO2-Strategie gescheitert
  8. Technologietransfer von PSA zu Opel
  9. Opel-Personalrochade: Lohscheller neuer Chef

Nach dem Opel-Verkauf an PSA machen einbrechende Verkaufszahlen Investitionen in eigenständige Modelle immer schwieriger. Außerdem: Opel und Betriebsrat einigen sich, dass bis 2023 keine weiteren betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden.

Die Verkaufszahlen des Rüsselsheimer Autobauers brechen auch nach dem Opel-Verkauf an Peugeot PSA im August 2017 weiter ein, weshalb Investitionen in eigenständige Modelle kaum noch möglich seien, meint Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Die große Nervosität bei IG Metall, Betriebsrat und der Politik über den eingeschlagenen Sanierungskurs sei für den Direktor des Car-Instituts an der Universität Duisburg-Essen daher nachvollziehbar. "PSA-Chef Tavares scheint bereit zu sein, mit vielen "goldenen Handshakes" Opel profitabel zu machen. Damit degeneriert Opel zu einer PSA-Hülle", analysiert Dudenhöffer im Mai 2018 die jüngsten Verkaufszahlen. Ein derartiges Geschäftsmodell brauche die Opel-Werke in Eisenach und in Kaiserslautern sowie der Stammsitz Rüsselsheim im heutigen Umfang nicht. Die vom PSA-Konzern zugesicherten Entwicklungskompetenzen laste das Rüsselsheimer Entwicklungszentrums mit mehr als 7000 Ingenieuren nicht aus, kritisiert der Auto-Experte. Leichte Nutzfahrzeuge würden aus klassischen Pkw-Plattformen abgeleitet, die an den Opel-Stammsitz vergebene Brennstoffzelle auf Jahre kaum eine Rolle spielen und die neuen, auf PSA-Plattformen entwickelten SUV-Modelle Crossland und Grandland nur sehr überschaubare Verkaufserfolge erzielen, so Dudenhöffer. Auf dem deutschen Markt verkauften sich die noch unter der Regie des Alt-Eigentümers General Motors entwickelten Autos besser. Opel müsse zudem auch die neuen Modelle mit rund 40 Prozent Eigenzulassungen stützen, was den Gewinn pro Auto schmälere. Diesen Effekt herausgerechnet, werde Opel im ommenden Jahr einen "wahren" Marktanteil von unter 5 Prozent in Deutschland erreichen. Derzeit liegt die Marke mit dem Blitz bei 6,5 Prozent.

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Opel-Verkauf an Peugeot PSA

Nach dem Opel-Verkauf an Peugeot PSA ist der Personalabbau so gut wie abgeschlossen: Am Dienstag, 29. Mai 2018, hatten sich Unternehmen und Betriebspartner sehr zur Erleichterung von Belegschaft und Politik geeinigt, dass bis Mitte 2023 keine betriebsbedingten Kündigungen mehr ausgesprochen werden. Der vom neuen Opel-Mutterkonzern PSA angeschobene Personalabbau in den deutschen Standorten soll auf 3700 Mitarbeiter begrenzt bleiben, die das Unternehmen ausschließlich freiwillig über verschiedene Programme verlassen. Diese Zahl ist bereits nahezu erreich. "Wir haben alle unsere Werke wettbewerbsfähig gemacht und können nun die Investitionsentscheidungen auslösen", kommentiert Opel-Chef Michael Lohscheller die Einigung. Besonders dringend ist das im Werk Eisenach, wo vom kommenden Jahr an der Geländewagen Crossland X den auslaufenden Corsa ersetzen soll. Statt eines zweiten Modells plant Opel dort weiterhin nur die zusätzliche Montage eines Crossland-Hybrid-Modells. Dafür wurde aber der auf Eisenach entfallene Personalabbau auf 450 Leute begrenzt, rund 300 weniger als zunächst geplant. Für das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim wurden weitere Projekte benannt wie die Entwicklung der nächsten Generation der 1,6-Liter-Benzinmotoren, die in der gesamten PSA-Flotte eingebaut werden. Für die Einigung mussten die rund 15.000 Beschäftigen ein Kompromiss eingehen: So wird das im Metall-Flächentarif für das kommende Jahr vereinbarte Zusatzgeld bis 2023 ausgesetzt. Neue Tariferhöhungen von 2020 an sollen den Opel-Beschäftigten jeweils erst verzögert zufließen, die genauen Fristen sind noch nicht verabredet.

 

Milliardenverluste bei Opel

Opel bleibt unter dem neuen Besitzer PSA in der Verlustzone. Der französische Konzern wies Anfang März 2018 für den im Sommer übernommenen deutsch-britischen Autohersteller Opel Vauxhall einen bereinigten operativen Verlust von 179 Millionen Euro für das vergangene Jahr aus. PSA insgesamt verdiente operativ knapp 4 Milliarden Euro und damit fast ein Viertel mehr als im Vorjahr. Trotzdem halten die Franzosen am Gewinnziel für Opel fest: Im übernächsten Jahr solle das Ergebnis im laufenden Geschäft bei zwei Prozent des Umsatzes liegen. Hoffnung machten etwa die deutliche Kostensenkungen bei der Entwicklung von Neufahrzeugen, die auf der PSA-Technik basieren werden. Zusätzlich soll ein Spar- und Umbauprogramm Opel wieder auf Kurs bringen. Opel-Chef Michael Lohscheller bewertete den seit August 2017 aufgelaufenen operativen Verlust seines Unternehmens von 179 Millionen Euro vor Sondereinflüssen als "weiteres Signal, dass es so nicht weitergehen kann". Opel müsse und werde sich verändern. Lohscheller wies auf die bereits umgesetzte Reduzierung der Fixkosten um 17 Prozent und die in Gang gesetzte Exportoffensive hin, bei der Opel bestehende Strukturen der PSA-Gruppe nutzt. Alle Werke müssten wettbewerbsfähig werden, forderte der Opel-Chef.

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Gründe für Opel-Misere

Seit 1999 hat Opel keinen Gewinn mehr abgeliefert. Die Gründe für den Niedergang der deutschen Marke sind vielfältig: Nach den Glanzzeiten in den 1960er und 70er-Jahren folgten Modelle, die dem gleichzeitigen Aufstieg des Konkurrenten Volkswagen mit seinem Golf wenig entgegen zu setzen hatten. Außerdem findet sich im aktuellen Fahrzeug-Programm mit wenigen Ausnahmen kaum noch Sportsgeist wieder. Ein ausschließlich auf niedrigste Preise fixierter Einkauf unter dem Spanier Ignacio Lopez brachte dem Hersteller eine heftige Qualitätskrise ein, während die Fehler in der Modellpolitik nicht abrissen. Als nahezu einziger Hersteller stand Opel bis vor wenigen Monaten ohne ein konkurrenzfähiges SUV-Modell da, obwohl man diese stadttauglichen Geländewagen ab 1991 mit als erste in Europa in Form des "Frontera" angeboten hatte.

 

Opel-Verkauf an PSA: zweitgrößter Autokonzern Europas

Seit dem 1. August 2017 gehört Autobauer Opel zum französischen PSA-Konzern. Zuvor hatte die EU-Kommission der seit März 2017 verhandelten Übernahme kartellrechtlich zugestimmt. PSA zahlte für das GM-Europa-Geschäft inklusive der britischen Opel-Schwester Vauxhall und der Finanzsparte rund 2,2 Milliarden Euro. GM-Finanzvorstand Chuck Stevens hatte die Kosten für den Verkauf auf 5,5 Milliarden Dollar (4,7 Mrd. Euro) beziffert, da GM noch Pensionsverpflichtungen für die Mitarbeiter übernimmt. Opel/Vauxhall beschäftigt etwa 38.000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland. Mit der Übernahme entstand gemessen an den Absatzzahlen der nach Volkswagen zweitgrößte Autokonzern Europas mit einem Marktanteil von rund 17 Prozent. Zuvor hatte Opel seit 1929 zu General Motors gehört und war zeitweise der größte Autobauer in Deutschland. Seit 1999 hatten die Rüsselsheimer mit ihrer britischen Schwestermarke Vauxhall allerdings keinen operativen Jahresgewinn mehr abgeliefert.

Das neue Opel-Logo im Video erklärt:

 
 

Opel-Sanierungsprogramm "Pace"

Anfang November 2017 hat Opel sein Sanierungsprogramm "Pace" vorgestellt. Die wichtigste Neuigkeit: Opel will den Neustart ohne betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen schaffen. Trotzdem müsse erneut mit den Gewerkschaften verhandelt werden, denn laut des Sanierungsplans sollen Lohnkosten über Abfindungen, innovative Arbeitszeitkonzepte und Altersteilzeit gesenkt werden. Noch bis Ende 2018 sind die rund 19.000 Opel-Beschäftigten in Deutschland vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Noch vor der Vorstellung des Sanierungsplans hatte PSA-Chef Carlos Tavares den Druck erhöht: "Allen muss klar sein, dass der Status quo bei Opel keine Option ist", sagte er. Die Fabriken der einstigen General-Motors-Tochter seien nicht effektiv genug und erfüllten die eigenen Vorgaben nicht. Bei der britischen Schwester Vauxhall machen die Franzosen bereits ernst und wollen sich von jedem vierten der rund 1600 Beschäftigten im Astra-Werk Ellesmere Port trennen, unter anderem mit Abfindungen. Bei den Konsumenten im bislang größten Einzelmarkt des Opel/Vauxhall-Verbundes grassiert die Brexit-Angst, der Absatz schwächelt merklich. Britische Analysten wie Evercore gehen bereits von einer Schließung in Ellesmere Port und bis zu zwei weiteren Opel-Werken in Europa aus, sollte PSA nicht zusätzliche Kapazitäten für seine anderen Globale Marken benötigen.

 

PSA dementiert: Keine Forderung an GM

PSA-Finanzvorstand Jean-Baptiste de Chatillon bestätigt, dass mit GM weiter gesprochen werde. Thema sei aber nicht den Kaufpreis für Opel, sondern Aspekte der Buchhaltung. "Nichts hat sich geändert", sagte der Manager mit Blick auf den Preis. Ende 2017 hatte es Spekulationen gegeben, wonach PSA von GM 500 Millionen Euro wegen der CO2-Emissionen bei Opel zurückverlangen wolle. De Chatillon sprach von Gerüchten. Es gebe keinen Anspruch gegenüber GM wegen der Emissionswerte. Insider sollen berichtet haben, dass der französische Autobauer vom früheren Opel-Besitzer GM über 500 Millionen Euro verlangt. Grund seien die hohen CO2-Emissionen zahlreicher Opel-Modelle, die durch die immer schärfer werdenden Abgasziele in Europa zu Strafzahlungen führen könnten. PSA sehe sich bei Opels Abgassstrategie getäuscht und beabsichtige deshalb, juristische Schritte gegen die US-Amerikaner einzuleiten. 

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PSA: Opels CO2-Strategie gescheitert

Opels CO2-Strategie mit dem allein stehenden Elektro-Auto Ampera-E ist aus Sicht der Franzosen gescheitert. PSA geht die immer strengeren EU-Vorgaben ganz anders an und hat Plattformen entwickelt, die ohne große Umbauten wahlweise mit Verbrennern, Hybriden oder reinen Elektro-Motoren ausgestattet werden können. Bis 2023 sollen vier von fünf PSA-Modellen elektrisch sein, hat Konzern-Chef Carlos Tavares längst angekündigt. Opel müsse schneller auf diese Strategie einschwenken, um die 2020 noch einmal schärferen Vorschriften zum Flottenverbrauch einzuhalten und hohen Geldbußen seitens der EU zu entgehen. Opel hatte zuletzt einen Flottendurchschnitt von 127 Gramm CO2. Bei PSA liegt er nach eigenen Angaben bei 101 Gramm. Von 2020 an sind 95 Gramm vorgeschrieben.

 

Technologietransfer von PSA zu Opel

Wohin die Reise unter PSA technisch geht, sieht Opel seit 2012 im eigenen Unternehmen. Mit den Franzosen sind inzwischen vier Modelle, etwa Opel Crossland X und Opel Grandland X, auf den Weg gebracht worden, in denen ein Großteil Peugeot-Technik tickt. Aus Lizenz- und Kostengründen muss Opel zudem möglichst schnell aus dem Entwicklungsverbund mit der alten Mutter General Motors (GM) herausgelöst werden. Das lässt die Fragezeichen hinter geplanten Modellen größer werden, die noch auf GM-Plattformen aufbauen, namentlich des Mokka-X-Nachfolgers und der SUV-Version des Flaggschiffs Insignia. Der nächste Corsa wird bereits auf eine PSA-Basis umgeplant. In Zukunft könnte den Opel-Ingenieuren bei etlichen Autos nur noch der äußere Feinschliff als Aufgabe bleiben, um die neuen Opels von den Schwestermodellen der anderen Konzernmarken Peugeot, Citroën und DS unterscheidbar zu machen. Tavares schätzt an den Opel-Autos ihre "Germanness", den deutschen Stil, den man auch auf anderen Märkten in der Welt gut verkaufen könnte. Fragt sich, wieviel deutsches Engineering es dafür braucht.

Opel-Modellpalette im Video:

 
 

Opel-Personalrochade: Lohscheller neuer Chef

Opels Vorstandschef Karl-Thomas Neumann hatte das Unternehmen mit der Übernahme durch PSA im Juni 2017 verlassen. Für seinen Nachfolger Michael Lohscheller kam der bisherige PSA-Controller Philippe de Rovira als Finanzchef in den Vorstand. Auch drei neue Bereichsvorstände wurden berufen. Außerdem hat Opel seine Organisation verschlankt und Opel Marketing sowie Vertrieb zusammengelegt. Die bisherige Chefin des Opel-Marketings, Tina Müller, schied deshalb Ende September 2017 aus. Die zusammengelegten Abteilungen übernahm Vertriebschef Peter Küspert. Mit der Übernahme stellte Opel auch sein neues Logo und einen neuen Globale Markenspruch vor. Der Wandel von "Wir leben Autos" hin zu "Die Zukunft gehört allen" und das minimalistischere Logo sollen die Entwicklung Opels vom Autohersteller zum "Mobilitätsdienstleister" unterstreichen.

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