SGS "Gullwing" (Mercedes 500 SEC): Classic Mit Flügeltüren in den 80er-Himmel

von Julian Islinger 19.09.2017

Der SGS "Gullwing" (Mercedes 500 SEC) erinnert auf der IAA 2017 an die Arbeiten der Hamburger Werkstatt "Styling Garage", deren Geschichte und Wirken exemplarisch für den schnelllebigen Exzess der 80er steht. Den exotischen Flügeltürer gibt es nur noch drei Mal in Deutschland.

Der SGS "Gullwing" (zu deutsch: Möwenflügel), ist eine mit Flügeltüren ausgestattete Version des Mercedes 500 SEC. Angeblich auf 57 Stück limitiert, sind heute von dem exotischen Geflügel in Deutschland überhaupt nur noch drei Modelle erfasst. Der Rest wird vermutlich irgendwo über den Nahen- und Mittleren Osten verteilt sein, wo das Öl in den 80ern nur so sprudelte und zahlreiche Scheichs die nach deutschen Maßsstäben horrenden Anschaffungskosten des "Gullwing" (80.000 DM alleine für den Umbau, 200.000 DM im Komplettpaket) gerade mal mit einem müden Gähnen quittierten. Ein Segen für SGS, denn in Deutschland war der "Gullwing" aufgrund des exzentrischen Auftitts als Zuhälter-Auto verschrien, so dass selbst Mercedes-Benz sich genötigt sah, auf Distanz zu der Hamburger Werkstatt zu gehen. Doch die Kunden aus dem Morgenland zahlten gut und so sprudelte der Öl-Dollar nur so die Elbe hinauf Richtung "Styling Garage". Tatsächlich hätte der "Gullwing" heute, würde er nochmal gebaut werden, einen Komplett-Wert von 205.000 Euro – Inflation mit einberechnet! Mehr zum Thema: Alle neuen Autos auf der IAA

 

SGS "Gullwing": Mercedes 500 SEC mit Flügeltüren

SGS war kein Motortuner, doch was die Optik der Fahrzeuge, sowie die Modifikation von Karosserie und Innenraum anbelangte, ging die "Styling Garage" bis an die Grenzen des Machbaren. Heute mag diese etwas prollige Krawall-Optik als synonym für den exzessiven Lebensstil der 80er gelten, aber selbst damals stachen Autos wie der SGS "Gullwing" (Mercedes 500 SEC) deutlich aus der Masse hervor. Dank unangerührter Mercedes-Technik weiterhin wartungsfreundlich, bot der 231 PS starke Möwenflügel ansonsten jede optische Spielerei, die den Hamburger Jungs damals in den Sinn kam – bis hin zu einem zum Möwenkopf geschnitzten Schaltknauf aus Wurzelholz. Extra-breite Passagiersessel im Fond, raumgreifende Anbauteile an Bug und Heck, glitzernde BBS-Felgen und natürlich die mächtigen Flügeltüren selbst, machten das bis hin zum Kühlergrill weiß-getünchte W126-Coupé zum Hingucker an jeder Ampel. Handwerklich waren die SGS-Umbauten und eben auch der "Gullwing" so vorbildlich gefertigt, dass selbst heute noch TÜV-Inspekteure nur wenig zu beanstanden finden. Leider endete bereits Mitte der 80er der Run auf die SGS-Benzer wieder, was die Styling-Garage schlussendlich in die Insolvenz, und die Autos etwas später in den Kult-Status beförderte. Das hier gezeigte Exemplar konnte auf der IAA 2017 die Blicke auf sich ziehen

 

80er-Tuning: Wer ist eigentlich SGS?

Hinter dem Kürzel verbirgt sich die berüchtigte Tuning-Schmiede "Styling Garage" aus dem Hamburger Umland, die sich in den frühen 80ern mit der Modifikation von Mercedes-Benz und BMW-Luxuskarossen einen Namen machen konnte. Aber SGS verschönerte nicht nur die Boliden von Nobelschröders aus der Elbchaussee, sondern konnte sich auch in den Golfstaaten einen gewissen Namen machen. So ließ man 1981 für die Hochzeit des Kronprinzen von Abu Dhabi 40 modifizierte Mercedes-Benz-Limousinen anfertigen, die allesamt in den Farben des Regenbogens lackiert und mit vergoldeten Chromteilen verziert waren. Und sogar Michael Jackson und Papst Johannes Paul II gehörten zum Kundenkreis, aber das soll nur am Rande von Interesse sein.

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