Winterreifen vs. Sommerreifen

06.09.2011
Inhalt
  1. Ein Plus an Sicherheit mit Winterreifen
  2. Die Sieben-Grad-Grenze
  3. Lamellen sorgen für Haftung
  4. Vorteile für Breitreifen
  5. Kennzeichnung für Winterreifen

Jeder zu seiner Zeit: Sommer- und Winterreifen sind Spezialisten mit klar umrissenem Aufgabengebiet. Darum gibt es auch ohne Schnee gute Gründe, bei niedrigen Temperaturen Winterräder zu montieren

Die Reifenindustrie hat in den vergangenen Jahren Sommer- und Winterreifen für ihre jeweiligen Einsatzgebiete erheblich optimiert. Dabei konnten alle wesentlichen charakteristischen Eigenschaften – beispielsweise Geräuschentwicklung, Aquaplaningverhalten, Nass- und Trockenhandling, Bremsverhalten, Rollwiderstand, Gewicht, Laufleistung sowie Schnee- und Eistraktion – enorm verbessert werden. Gleichzeitig wurden die Sommer- und Winterpneus im Hinblick auf ihre Anforderungen immer mehr zu „Spezialisten“. Sommerreifen haben in der warmen Jahreszeit Vorteile gegenüber Winterreifen; diese sind hingegen in den kalten Monaten Sommerpneus überlegen. Der große Leistungsunterschied entsteht vor allem durch gänzlich verschiedene Laufflächenmischungen sowie die Profilgestaltung.

 

Ein Plus an Sicherheit mit Winterreifen

Moderne Winterreifen dagegen haben eine thermoelastische Laufflächenmischung, die bei kalten Temperaturen griffig bleibt und damit einen besseren Straßenkontakt bietet als Sommerreifen. Die Aufstandsfläche des Reifens bleibt auch bei Kälte elastisch und passt sich der Oberflächenstruktur der Straße optimal an.

Möglich wird dies durch den Einsatz von Silica in der Laufflächenmischung. Dahinter verbergen sich verschiedene Kieselsäuren, deren Anteil bei modernen Winterreifen bis zu 100 Prozent betragen kann. Vor allem der Nassgrip ließ sich durch Silica-Mischungen erheblich verbessern. Damit sind bei Winterreifen die Sicherheitsreserven in kritischen Situationen erheblich höher: Bei null Grad Celsius und 90 Stundenkilometern verlängert sich auf nasser Fahrbahn der Bremsweg eines Sommerreifens gegenüber einem Winterreifen um 5,40 Meter. Auf Schnee und bei 80 Stundenkilometern kommt das Auto mit Sommerreifen erst 42 Meter später zum Stillstand als ein Fahrzeug mit Winterreifen.
 
Moderne Winterreifen haben – im Vergleich zu Sommerpneus – in der kalten Jahreszeit erheblich mehr Zugkraft und Seitenführung sowie kürzere Bremswege ohne dabei Komforteinbußungen hinnehmen zu müssen. Dies liegt am Zusammenspiel aller Komponenten vom Reifenunterbau über die Laufflächenmischung bis zur Profilgestaltung.

 


Die Sieben-Grad-Grenze

Die Temperaturgrenze, ab der Sommerreifen gegenüber Winterpneus an Leistung einbüßen, variiert und ist in jedem Einzelfall unterschiedlich zu ziehen. Sinkt das Thermometer zu Beginn des Winters auf bis zu Sieben Grad, ist dies als guter Richtwert zu bewerten. Jetzt wird es Zeit, den Wechsel auf Winterreifen in Erwägung zu ziehen, denn die Temperatur auf der Fahrbahn kann zu gewissen Tageszeiten, insbesondere in den frühen Morgenstunden erheblich niedriger sein, mit entsprechenden Folgen für die Fahrsicherheit. Die Sieben-Grad-Grenze ist deshalb eine Orientierungshilfe für den Autofahrer, um bei kalten, winterlichen Witterungsverhältnissen rechtzeitig auf Winterreifen umzurüsten.

 


Lamellen sorgen für Haftung

Mindestens genauso wichtig für einen guten Grip ist neben der Laufflächenmischung die Profilgestaltung. Den entscheidenden Grip auf Schnee erhält ein Winterreifen durch die hohe Anzahl an Lamellen in den Profilblöcken. Je nach Reifengröße greifen bis zu 2000 dieser wellenförmigen Profilschnitte in Eis und Schnee und bilden dabei Längs- und Querkanten. Während der Abrollbewegung des Reifens öffnen sich die Lamellen, um dann bei vollem Bodenkontakt unter dem Gewicht der Radlast wie eine Fräse in den Schnee einzudringen. Damit sorgen sie für eine wirksame Verzahnung mit der Fahrbahnoberfläche – Bremsvermögen, Traktion und Seitenführung werden erheblich verbessert.

 

Vorteile für Breitreifen

Grundsätzlich sind Breitreifen weitaus mehr als nur Show. Ihre handfesten Vorteile liegen in der gleichmäßigeren Druckverteilung innerhalb der Aufstandsfläche, so werden höhere Kräfte – sowohl längs beim Beschleunigen und Bremsen als auch quer beim Lenken – übertragen. Dadurch verkürzt sich der Bremsweg von Breitreifen und die Haftungsgrenze bei der Querbeschleunigung verbessert sich – der Reifen erlaubt höhere Kurvengeschwindigkeiten. Da auf der breiteren Aufstandsfläche entsprechend mehr Lamellen Platz finden, ist auch das Fahrverhalten auf Schnee, Eis und Matsch besser und die Traktion höher als bei schmaleren Reifen.

 


Kennzeichnung für Winterreifen

Winterreifen verfügen über eine spezielle Kennzeichnung auf der Seitenwand. Das M+S-Zeichen für „Matsch und Schnee“, das die erhöhte Eignung von Reifen für winterliche Bedingungen kennzeichnet, wird vom Hersteller selbst vergeben. Allerdings gibt es keine einheitliche, normierte Regelung oder einen verbindlichen Fahrtest, die festschreiben, welche Leistung ein solcher Reifen erbringen muss. Deshalb sagt das M+S-Zeichen auch nichts über die Qualität der Wintereigenschaften eines Reifens aus, etwa was die Wintertraktion angeht. Darüber hinaus existiert das Schneeflocken-Symbol, das von der European Tyre and Rim Technical Organisation (ETRTO) verliehen wird. Dieses Gütesiegel erhalten nur Pneus, wenn sie uneingeschränkt über festgelegte Wintereigenschaften verfügen. Dazu müssen sie im Vergleichstest mit einem Referenzreifen dessen Traktion bei Schnee und Eis um zehn Prozent übertreffen.

Ab vier Millimeter ist Schluss

Bei abnehmender Profiltiefe im Laufe eines Reifenlebens verbessert sich zwar das Fahrverhalten auf trockener Strasse, bei Nässe und Schnee aber bedeutet weniger Profil erhöhte Gefahr. Unterhalb einer Profiltiefe von vier Millimetern lässt die Leistungsfähigkeit von Winterreifen stark nach. Winterpneus sollten ab dieser Verschleißgrenze, Sommerreifen bei einer Restprofiltiefe von zwei Millimetern ersetzt werden.

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